Der Burger und ich – eine schwierige Beziehung
Ich komme aus dem Allgäu. Dort isst man gemeinhin Dinge, die mit Löffel, Gabel und Messer bewältigbar sind. Kässpatzen zum Beispiel. Oder ein Schnitzel. Im Idealfall liegt das Essen ruhig auf dem Teller und keine Komponente hat das Bedürfnis, auf einem Hemdkragen zu landen.
Deshalb hatte ich lange ein schwieriges Verhältnis zu Burgern. Nicht geschmacklich. Kulinarisch ist ein guter Burger natürlich ein Gedicht. Saftiges Fleisch, geschmolzener Käse, weiche, angebratene Semmeln, Sauce, Röstaromen – herrlich. Aber praktisch betrachtet ist ein Burger eine Art handgewordene Instabilität.
Hinten quillt die Sauce heraus, vorne rutscht die Gurke davon, das Fleisch schiebt sich seitlich aus dem Brot. Genau in diesem Augenblick schaut meistens jemand zu.

Peter Hummel, Foodredakteur
Besonders schlimm sind XXL-Burger, die derart hoch gebaut sind, dass man sie eigentlich nur essen kann, wenn man eine Python ist. Früher sagte meine Mutter: „Mach den Mund nicht so voll.“ Heute muss ein Burger offenbar aussehen wie ein Jenga-Turm.
Deshalb: Wie isst man einen Burger eigentlich richtig?
Die Puristen sagen: natürlich mit der Hand. Alles andere sei Verrat. Besteck sei nur etwas für Feiglinge und für Menschen, die auch eine Pizza mit der Gabel essen. Ich verstehe das. Gleichzeitig sehe ich aber nicht ein, warum ich mich beim Essen anziehen soll wie für eine Lackierarbeit.
Also habe ich über die Jahre verschiedene Techniken entwickelt.
Technik eins: der Allgäuer Druckgriff. Dabei drückt man den Burger von oben so fest zusammen, dass er nur noch halb so hoch ist. Luftigkeit weg, Kontrolle da.
Technik zwei: die leichte Vorwärtsbeuge. Man beugt sich beim Essen so weit über den Teller, dass herunterfallende Zutaten direkt wieder aufgefangen werden. Erinnert optisch ein wenig an einen Geier beim Aasfressen, ist aber effektiv.
Technik drei: der strategische Messer-und-Gabel-Schnitt. Offiziell lehne ich ihn ab. Inoffiziell praktiziere ich ihn manchmal heimlich. Vor allem bei Burgern, die eher ein Architekturprojekt als ein Lebensmittel sind.
Mein persönlicher Favorit bleibt übrigens der Allgäu-Burger mit Bergkäse und geschmalzten Zwiebeln. Der schmeckt so gut, dass man irgendwann vergisst, wie albern man beim Essen aussieht. Hier ist das Rezept ganz links – und noch neun weitere Varianten von gestapeltem Essen zwischen Brot:












