Knödel schaffen etwas, das selbst die raffinierteste Sterneküche nur selten erreicht: Sie machen glücklich. Es gibt kaum ein Gericht, auf das ich mich mehr freue als auf einen richtig guten Knödel.
Vielleicht liegt das daran, dass Knödel nie nur eine Beilage sind. Ein perfekter Kartoffelknödel, der beim Anschneiden leicht nachgibt und jede Spur Bratensoße aufsaugt. Ein lockerer Semmelknödel, der nach Butter, Petersilie und Muskat duftet. Oder ein Spinatknödel, dessen kräftiges Grün sofort Lust auf den ersten Bissen macht.
Was mich an ihnen besonders fasziniert: Ausgerechnet eines der schlichtesten Gerichte verlangt erstaunlich viel Können. Ein paar Gramm zu viel Mehl, ein zu kräftig kochender Topf oder ein ungeduldiger Koch – schon wird aus dem Traumknödel ein zäher Ball oder eine matschige Angelegenheit. Gerade deshalb habe ich großen Respekt vor Menschen, die scheinbar mühelos perfekte Knödel auf den Tisch bringen. Oft sieht man ihnen die Arbeit gar nicht an. Und genau das ist wahre Kochkunst.
Knödel haben eine Eigenschaft, die heute aktueller ist denn je: Sie verschwenden nichts.

Peter Hummel, Foodredakteur
Ursprünglich entstanden sie, um altbackenes Brot oder übrig gebliebene Kartoffeln sinnvoll zu verwerten. Aus Resten entstand etwas, das oft besser schmeckte als das ursprüngliche Lebensmittel.
Knödel begleiten Wildgerichte ebenso selbstverständlich wie Pilzragouts oder geschmortes Gemüse. Sie schmecken mit brauner Butter und Salbei, mit kräftigem Käse oder einfach nur mit zerlassener Butter. Sogar süß funktionieren sie hervorragend – gefüllt mit Marillen, Zwetschgen oder Nougat.
Meine fünf besten Knödeltipps
Knödelmasse immer ruhen lassen
Ich lasse jeden Teig mindestens zehn Minuten stehen. Erst dann haben Brot oder Kartoffeln genügend Flüssigkeit aufgenommen und die Konsistenz lässt sich wirklich beurteilen.
Den Probeknödel niemals überspringen
Auch wenn es nur fünf Minuten kostet: Ein kleiner Testknödel erspart später viel Ärger. Erst danach entscheide ich, ob der Teig noch etwas Milch oder Semmelbrösel braucht.
Das Wasser darf nicht sprudelnd kochen
Der größte Knödelfehler passiert im Topf. Sanft siedendes Wasser sorgt für lockere Knödel. Kochendes Wasser macht sie schnell rissig oder zäh.
Muskat erst ganz zum Schluss reiben
Frisch geriebene Muskatnuss verliert ihr Aroma schnell. Deshalb kommt sie bei mir erst unmittelbar vor dem Formen in den Teig.
Übrig gebliebene Knödel sind oft noch besser
In Scheiben geschnitten und in Butter knusprig gebraten, mit etwas Bergkäse überbacken oder als Knödelsalat mit Vinaigrette und Kräutern – Reste haben bei Knödeln fast immer das Zeug zum Lieblingsgericht.
























