Wenn sich über dem dichten Moos auf dem Waldboden die Tautröpfchen aneinanderreihen und keck zur Seite spritzen, weil ein Tannenzapfen darauf landet, wenn sich die Blätter golden färben und es nach feuchtem Tannengrün duftet, dann wachsen sie. Zumindest hoffen das jene, die früh am Morgen, möglichst gleich nach Sonnenaufgang, mit einem Korb durch die Westlichen Wälder bei Augsburg streifen. Den Kopf auf den Boden gerichtet, auf der Suche nach Maronen und Braunkappen, Pfifferlingen und Steinpilzen. Früh am Morgen gehen sie deshalb, weil sie konkurrenzfrei unterwegs sind. Niemand möchte seine Lieblingsplätze verraten und die genaueste Ortsangabe eines Pilzsammlers, wo er denn die schönen Schwammerl gefunden habe, lautet: „Im Wald.“
Der Wald hat die beste Pilzabteilung und dazu nicht mal eine Kasse.
Peter Hummel, Foodredakteur
Wobei sich Pilze selten an Regeln halten. Manchmal weigern sie sich eine ganze Saison lang, an den bekannten Stellen zu wachsen. Mitunter sprießen sie bei zunehmendem Mond. Dann wieder nicht. Die eine Braunkappe mag Temperaturen unter zehn Grad und einen feuchten Boden, die andere im Wald nebenan wächst nur, wenn es warm und trocken ist. An einem Tag findet man in der ersten Stunde keinen einzigen Pilz, um dann, kurz vor der Rückkehr nach Hause, binnen 20 Minuten den halben Korb voll zu bekommen. Pilze haben einen Spaß daran, Sammler zu necken.
Andererseits aber macht gerade das den Reiz aus, die Wälder auf der Jagd nach den leckeren Kappen zu durchstreifen. Eine höchst meditative Beschäftigung, weil das Pilzesuchen mit Geduld und Glück gleichermaßen zu tun hat. Vermutlich kommt daher auch die Bezeichnung „Glückspilz“.













