Menschen über 60 sind besonders häufig von einer Spinalkanalstenose betroffen. Warum?
ROMAGNA Im Alter kommt es zu Abnutzungen im Spinalkanal. Dieser verläuft von der Schädelbasis bis zum unteren Rücken und schützt das Rückenmark sowie dessen Nerven. Knöcherne Veränderungen und verdickte Bänder können auf die Nerven drücken. Die Einengung tritt direkt im Wirbelsäulenkanal auf oder dort, wo die Nerven ihn verlassen und zu Muskeln oder etwa der Blase führen.
Welche Symptome gibt es?
ROMAGNA Typisch sind Rückenschmerzen, die in die Beine ausstrahlen, und ein Kribbel- oder Taubheitsgefühl in den Beinen. Die Beschwerden treten meist nach längerem Gehen auf. Wenn man sich nach vorn beugt, lassen sie nach.
Betreffen die Schmerzen vor allem den unteren Rücken?
ROMAGNA Ja, wenn die Spinalkanalstenose im Lendenwirbelbereich auftritt, was häufiger der Fall ist. Aber auch die Halswirbelsäule kann betroffen sein, oft verbunden mit feinmotorischen Problemen. Den Patienten fällt es zum Beispiel schwer, ihre Kleidung zuzuknöpfen.
Muss operiert werden?
ROMAGNA Bei Muskelschwäche sofort, sonst warten wir sechs bis acht Wochen ab, ob Schmerzmittel und Physiotherapie die Beschwerden lindern.
Was wird bei einem Eingriff gemacht?
ROMAGNA Meine Kollegen und ich operieren mit sehr feinen Instrumenten. Unter dem Mikroskop entfernen wir die einengenden Strukturen.
Manchmal hängt die Spinalkanalstenose auch mit einem Wirbelgleiten zusammen. Benachbarte Wirbel bewegen sich dann stark und üben Druck auf die Nervenwurzeln aus.
Mit Schrauben und Stäben werden bei der OP die Wirbelkörper miteinander verbunden. Für diese Versteifung wird eine Methode eingesetzt, die mit dem Navi im Auto vergleichbar ist: Bildgebung, die vor und während des Eingriffs gemacht wird, zeigt dem Operateur zielgenau, wo er die Implantate positionieren muss.
Wird sich die Operationstechnik noch weiter verbessern?
ROMAGNA Ich bin überzeugt, dass vor allem bei Versteifungs-OPs künftig künstliche Intelligenz und robotische Assistenzsysteme immer mehr eingesetzt werden, um präziser und risikoärmer zu operieren.
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