Rückenschmerzen: Warum Bewegung die beste Medizin ist
16.9.2025
3 Min.
Bei Rückenschmerzen ist Schonung meist keine gute Idee. Warum sanfte Bewegung oft besser hilft als Bettruhe und wann ein Arztbesuch wichtig ist, erklärt unser Experte
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Expertenrat bei Rückenschmerzen: Aktiv bleiben statt ausruhen
Was hilft gegen Rückenschmerzen? Vor allem Bewegung
Auch bei akuten Rückenschmerzen raten Experten heute meist davon ab, sich länger zu schonen. Stattdessen können sanfte Bewegungen helfen, Verspannungen zu lösen, die Durchblutung zu fördern und die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen.
Fast jeder hat irgendwann Probleme mit dem Rücken. : Sich rasch wieder (sanft) bewegen, rät der Kölner Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse. Und zwar selbst dann, wenn es akut schmerzt.
Dann hilft meist nur eines
„Fast alle Formen von Rückenschmerz lassen sich auf zu wenig Bewegung zurückführen“, so der Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule in Köln, „und daraus resultiert eine schlechte Versorgung von Muskeln, Sehnen, Bändern, Bandscheiben, Knorpeln und Knochen“. Die Lösung heißt deshalb körperliche Aktivität.
„Passivität fördert die meist harmlosen, aber schmerzhaften Verspannungen und Blockaden. Nur durch regelmäßiges Bewegen werden ausreichend Sauerstoff, Nährstoffe und Gewebsflüssigkeit in die unterschiedlichen Partien des Rückens gepumpt“, erklärt Prof. Froböse.
Auch bei einem Hexenschuss kann sanfte Mobilisation die Beschwerden lindern
Der Rat, möglichst aktiv zu bleiben, gilt selbst dann, wenn es akut im Rücken schmerzt. Denn in rund 75 Prozent der Fälle sind es solche Alarmschmerzen, die signalisieren: Jetzt besteht Handlungsbedarf!
Der Klassiker ist der Hexenschuss – ein plötzlich stechender, anhaltender Schmerz in den Lendenwirbeln, der jede Bewegung extrem schmerzhaft und schwierig macht, weil die Muskeln stark verhärtet und unbeweglich sind.
„Bei akutem Schmerz ist es zunächst wichtig, die Muskeln wieder zu entspannen und es zwei bis drei Tage ruhiger angehen zu lassen. Das heißt aber nicht, sich dauerhaft aufs Sofa oder ins Bett zu legen. Vielmehr sollte man versuchen, den Schmerz durch Mobilisation und kleine Bewegungen zu lindern und nicht in eine ungünstige Schonhaltung zu verfallen, die das Problem eher noch verstärkt.“
Ingo Froböse
Professor für Sportwissenschaften
Bewegung ist der Motor zur Stoffwechselaktivierung und damit zur Anregung der Selbstheilungskräfte. Wichtig: Die Muskeln dürfen während gezielter Übungen ruhig zittern oder ziehen, aber sie sollten nie mehr schmerzen als vorher. Ist das der Fall, besser das Training abbrechen und zum Arzt gehen.
Dann sollten Sie bei Rückenschmerz zum Arzt gehen
Der Schmerz hält lange an und/oder strahlt in Arme, Nacken, Brustregion, Füße oder Knie aus
Finger, Arme oder Beine fühlen sich taub bzw. gelähmt an
In den unteren Rückenmuskeln fehlt plötzlich spürbar die Kraft
Es treten Probleme beim Wasserlassen und beim Stuhlgang auf
Es kommen andere Symptome hinzu wie Kopfschmerz, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Schwindel, Fieber, Herzrasen
Was, wenn man kaum aufstehen, geschweige denn Sport machen kann?
Prof. Froböse: „Bevor man sich gar nicht bewegt, können in der akuten Schmerz-Phase nach ärztlicher Absprache niedrig dosierte Schmerzmittel ratsam sein, um die für die Heilung so wichtige Bewegung wieder zu ermöglichen.“
Was hilft gegen Rückenschmerzen? Bewährte Hausmittel im Überblick
Bei akuten Rückenschmerzen können einfache Hausmittel helfen, Verspannungen zu lösen und Beschwerden zu lindern. Welche Methode als angenehm empfunden wird, ist individuell verschieden.
🔥 Wärme: Wärme zählt zu den bewährtesten Hausmitteln gegen Rückenschmerzen. Sie fördert die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an und kann verspannte Muskeln lockern. Vielen Betroffenen helfen eine Infrarotlampe, ein warmes Körnerkissen oder ein heißes Bad beziehungsweise eine warme Dusche.
❄️ Kälte: Kühlen kann bei Rückenschmerzen wohltuend sein, wenn die betroffene Stelle gerötet oder geschwollen ist. Die Kälte kann dabei helfen, die Beschwerden zu beruhigen.
🧘🏻♀️ Bewusstes Atmen: Stress kann Rückenschmerzen auslösen oder verstärken. Langsames, bewusstes Atmen entspannt Körper und Geist und kann dazu beitragen, schmerzbedingte Anspannung zu reduzieren.
💆🏻♀ Massagen: Sanfte Massagen fördern die Entspannung der Muskulatur. Zudem setzt der Körper bei angenehmen Berührungen schmerzlindernde Botenstoffe frei, die das Wohlbefinden steigern können.
Ist der Schmerz wieder ganz abgeklungen, gilt: Je abwechslungsreicher man sich im Alltag bewegt, desto besser. Eine rundum fitte Muskulatur ist der beste Garant für einen gesunden Rücken, denn etwa 150 Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule und fangen 90 Prozent der Kräfte ab, die auf das Rückgrat einwirken.