Erhitzte Wangen, ein leichtes Brennen, sichtbare Äderchen: Geht das wieder weg oder sind das erste Anzeichen einer Rosazea? Wie man die chronische Krankheit erkennt und wie Ärzte sie heute behandeln.
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Sind die Wangen gerötet, denken viele Frauen zuerst, das könnte an Kälte, zu viel Sonne oder der Hormonumstellung in den Wechseljahren liegen. Doch oft steckt dahinter eine Krankheit, die nicht nur das Aussehen verändert, sondern auch die Lebensqualität massiv einschränken kann.
„Rosazea – auch Kupferrose genannt – wird häufig übersehen oder verharmlost“, sagt der Dermatologe Prof. Markus Reinholz aus München. „Dabei handelt es sich um eine ernst zu nehmende chronisch-entzündliche Hauterkrankung.“ Anfangs treten Rötungen auf, kleine Äderchen werden sichtbar. „Wird Rosazea nicht behandelt, bleiben die roten Flecken dauerhaft bestehen. Im späteren Verlauf kommen entzündliche Pusteln hinzu.“
Betroffen sind vor allem Menschen mit zwischen 30 und 50. Die Erkrankung kann lebenslang andauern. „Aufgrund hormoneller Schwankungen, einer dünneren Haut und schnellerer Immunreaktionen trifft es häufiger“, sagt Prof. Reinholz, Autor der aktuellen Rosazea-Leitlinie mit Diagnose- und Behandlungsempfehlungen. Bei ist der Verlauf oft schwerer, es kommt zu einer verdickten Nase.
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Die Auslöser & Symptome von Rosazea
Meist beginnt es ganz harmlos. „Ein erstes Zeichen ist die Couperose – erweiterte Gefäße im Gesicht ohne Entzündungen. Das Stadium eins der Rosazea“, erläutert die Berliner Hautärztin Dr. Yael Adler. „Auch trockene, schmerzende Augen, Lidrand-Entzündungen oder wiederkehrende Gerstenkörner können auftreten, noch bevor die Haut reagiert.“ Manche Frauen vertragen plötzlich die gewohnten Kosmetika nicht mehr.
Doch woher weiß man dann, ob es sich um Rosazea handelt? Gerade im Klimakterium ist die Verwechslungsgefahr groß. „Zwar kann sich auch bei einer Hitzewallung die Hautröten, manchmal bis zum Hals oder Nacken, verbunden mit Schwitzen am ganzen Körper“, erklärt Dr. Adler, „aber eine Rosazea zeigt sich mit weiteren Hautveränderungen vor allem im Gesicht, insbesondere auf den Rundungen. Also auf Wangen, Stirn, Nase und Kinn. Sie wird oft begleitet von erweiterten Äderchen, einem Brennen oder den typischen Pusteln.“
Die Ursachen der Krankheit sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. „Die Neigung dazu bekommt man in die Wiege gelegt – die Auslöser entscheiden dann über den Verlauf“, so Prof. Reinholz. „UV-Strahlung, Hitze, Kälte, scharfes Essen, Alkohol, emotionaler Stress sowie reizende Kosmetika spielen dabei eine Rolle.“
Was reizt und was guttut
Dr. Adler ergänzt: „Auch harmlose Hautmilben, die in unseren Haarfollikeln leben, der Magenkeim Helicobacter Pylori oder Störungen im Darm können Entzündungen hervorrufen und das Haut-Immunsystem triggern.“
Manche erleben eine Verschlechterung durch Ingwer-Shots, Tinkturen mit hochprozentigem Alkohol sowie Nahrungsergänzungsmittel mit Niacin, Capsaicin oder hoch dosiertem Arginin.
„Positiv wirken dagegen Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D mit K2, Selen, Zink sowie Präbiotika – also lösliche Ballaststoffe in Wurzelgemüse oder bitteren Salaten – und Probiotika in Form von fermentierten Lebensmitteln oder als Pulver aus der Apotheke, immer individuell dosiert und ärztlich begleitet“, rät Dr. Adler.
Jeder reagiert anders. Um Auslösern auf die Spur zu kommen, empfiehlt es sich, ein Trigger-Tagebuch zu führen. Manche vertragen kurze Saunagänge oder leichte Schärfe, bei anderen wirken Reize in Kombination und lösen einen Schub aus.
Das sind die Behandlungsmöglichkeiten
Die gute Nachricht: Es gibt viele Möglichkeiten, die Symptome der Erkrankung zu behandeln. „Rosazea verschwindet zwar nicht, aber sie ist gut kontrollierbar, wenn man früh etwas tut“, erklärt Prof. Markus Reinholz. Die Haut sollte man sorgfältig pflegen: mit mineralischem Lichtschutz (LSF 30 – 50), beruhigenden Wirkstoffen wie Ceramiden und Squalan, die die Hautbarriere stabilisieren, und mit einer milden Reinigung. „Außerdem verschreiben Hautärzte je nach Symptomen spezielle Cremes, die gegen Entzündungen oder Bakterien wirken“, so der Münchner Experte.
Sind die Beschwerden besonders hartnäckig, können Laserbehandlungen helfen. Meist sind mehrere Sitzungen nötig. „Dabei entfernen wir Rötungen und sichtbare Äderchen, indem wir die Gefäße veröden. Für viele Patienten ist das ein entscheidender Schritt zurück zu mehr Lebensqualität“, sagt der Dermatologe.
Was nämlich oft unterschätzt wird, ist die seelische Belastung durch Rosazea. „Viele Betroffene schämen sich für ihr Aussehen und ziehen sich zurück. Studien zeigen sogar einen Zusammenhang mit Depressionen und Angststörungen.“
Allerdings: Die Kosten von ca. 100 bis 500 Euro pro Sitzung übernehmen gesetzliche Krankenkassen meistens nicht. „Auch Mikro-Injektionen mit Botox werden derzeit für Rosazea untersucht. Offiziell zugelassen ist die Methode aber nicht“, sagt Dr. Adler.
Auch die Ernährung kann helfen
Dr. Adler empfiehlt vor allem eine entzündungsarme Kost: Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Omega-3-Fettsäuren und Fermentiertes wie Sauerkraut oder Kimchi. „Wenn man die Auslöser kennt und vermeidet, medizinische Therapien nutzt, auf die richtige Pflege und eine gute Ernährung achtet“, so die Berliner Hautärztin, „kann man nahezu beschwerdefrei leben.“
Täglicher Lichtschutz: Am besten mineralische Cremes mit Zink- oder Titandi- oxid (LSF 30 – 50), ohne Alkohol oder Parfüm.
Sanfte Reinigung: Lauwarmes Wasser, kein Rubbeln, eine milde Waschlotion verwenden.
Spezielle Pflege: Leichte Texturen wie Gele und Fluids sind oft besser verträglich. Es gibt auch spezielle Produkte für Rosazea-Haut.
Verträgliche Wirkstoffe: Hautähnliche Lipide wie Ceramide, Glycerin, Squalan oder kaltgepresste Sheabutter schützen die Hautbarriere. Niacinamid (2 – 5 %) nur oberflächlich auftragen.
Make-Up: Ist generell erlaubt. Grünstichige Primer neutralisieren Rot. Auf eine sogenannte nicht komedogene, parfüm- und alkoholfreie Zusammensetzung achten.
Trigger vermeiden: Auf heiße Getränke und Alkohol verzichten.
Für Entspannung sorgen: Ausreichender Schlaf, bewusstes Atmen, Achtsamkeitsübungen gegen Stress.
Buch-Tipp
Gesunde Ernährung beginnt mit kleinen, klugen Entscheidungen, so das Credo von Dr. Yael Adler. Ihr Konzept erklärt sie in „Genial ernährt! Klüger essen, entspannter genießen, besser leben“, → Droemer Knaur, 22 Euro
Die Wissenschaft macht Hoffnung
Rosazea ist nicht heilbar. Doch Ärzte und Forscher entwickeln neue Therapien.
Das Mikrobiom rückt zunehmend in den Fokus. Aktuelle Ansätze zielen auf eine individuelle Stärkung des Haut- und Darm- Mikrobioms ab – durch Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Probiotika sowie Therapien, die das Nerven- und Immunsystem stärken. Cremes und Seren, die das Mikrobiom der Haut unterstüt- zen, gibt es bereits.
Therapien, die auf das vegetative Nervensystem und das Immunsystem wirken, werden intensiv erforscht. Stressreduzierende Maßnahmen wie Achtsamkeit oder Yoga und gezielte Nahrungsergänzung könnten Schübe reduzieren.
Künstliche Intelligenz (KI) in der Hautbild-Analyse eröffnet neue Möglichkeiten beim Rosazea-Screening. Rötungen, Gefäß- und Hautveränderungen werden früher und präziser erkannt.
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