Zusammenfassung
Eine Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut, die akut oder chronisch verlaufen kann. Häufigste Ursache ist eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, daneben spielen Medikamente, Alkohol und Stress eine Rolle. Mediziner unterscheiden drei chronische Gastritis-Typen. Die Diagnose erfolgt meist per Magenspiegelung, behandelt wird je nach Ursache mit Antibiotika oder Säureblockern.
Millionen Menschen leiden zeitweise oder dauerhaft unter einer Gastritis – einer Entzündung der Magenschleimhaut. Sie kann plötzlich auftreten und schnell wieder abklingen oder sich über Jahre unbemerkt entwickeln. Was die Erkrankung auslöst, welche Formen es gibt und wie sie behandelt wird, im Überblick.
Was ist eine Gastritis?
Die Magenschleimhaut schützt das Gewebe der Magenwand vor dem extrem sauren Magensaft, den das Organ täglich selbst produziert, um Nahrung zu zersetzen und Keime wie Viren oder Bakterien abzutöten. Ist die Magenschleimhaut gestört, greift die Säure das Gewebe an und die Magenschleimhaut entzündet sich – es entsteht eine Gastritis.
Wie verbreitet ist eine Gastritis?
Die Gastritis zählt zu den häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen überhaupt. Ein wesentlicher Treiber ist das Bakterium Helicobacter pylori: 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland tragen es in sich, bei vier bis acht Prozent kommt es zu einer Gastritis oder einem Magengeschwür. Mit steigendem Alter nimmt die Infektionsrate zu. Viele Betroffene bemerken davon nichts, da die Infektion häufig ohne spürbare Beschwerden verläuft. Bezieht man andere Ursachen der Gastritis ein, hatte laut Robert Koch-Institut bereits ein Fünftel der Erwachsenen eine diagnostizierte Magenschleimhautentzündung.
Akute und chronische Gastritis: Der Unterschied
Eine akute Gastritis tritt plötzlich auf und heilt in der Regel innerhalb weniger Tage wieder ab. Häufige Auslöser sind Alkohol, bestimmte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac, Infektionen sowie starke körperliche Belastungen, etwa nach schweren Operationen oder Verletzungen. Bei solchen Belastungen wird Blut vermehrt in Herz, Hirn und Muskeln geleitet. Daraufhin wird der Magen schlechter durchblutet und das lässt die Schleimschicht ausdünnen – sie wird empfindlich, Säure kann die Magenwand angreifen. Auch Rauchen gilt als Risikofaktor – ebenso wie psychischer Stress, der Magenbeschwerden verstärken und die Schleimhaut anfälliger machen kann.
Eine chronische Gastritis dagegen kann sich über Monate oder Jahre hinziehen und bleibt oft lange unbemerkt, da sie nur wenige oder gar keine Beschwerden verursacht.
Die drei Typen der chronischen Gastritis
Mediziner unterscheiden bei der chronischen Form drei Typen:
- Typ-A-Gastritis: Dies ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen die eigene Magenschleimhaut richtet. Sie macht etwa 2 bis 5 Prozent der Fälle aus.
- Typ-B-Gastritis: Die mit Abstand häufigste Form (rund 60 bis 70 Prozent der Fälle) wird durch eine bakterielle Infektion mit Helicobacter pylori ausgelöst. Das Bakterium besiedelt die Magenschleimhaut und kann dort über viele Jahre hinweg Entzündungen verursachen.
- Typ-C-Gastritis: Sie entsteht durch den Rückfluss von Galle oder eine langfristige Schädigung der Schleimhaut durch Medikamente, insbesondere Schmerzmittel. Verlässliche Zahlen zur Häufigkeit fehlen bislang; Schätzungen gehen von 10 bis 30 Prozent der Fälle aus.
Was sind typische Symptome einer Gastritis?
Bei einer akuten Gastritis treten meist deutliche Beschwerden auf: Schmerzen oder Brennen im Oberbauch, ein Druck- oder Völlegefühl, Übelkeit, Appetitlosigkeit und vermehrtes Aufstoßen.
Eine chronische Gastritis verläuft dagegen oft unauffälliger. Häufigstes Anzeichen ist Aufstoßen oder ein Völlegefühl nach dem Essen – viele Betroffene bemerken die Entzündung deshalb erst spät oder gar nicht.
Wie wird eine Gastritis diagnostiziert?
Am Anfang steht meist ein ausführliches Gespräch über Beschwerden, Ernährung und Lebensumstände. Gegebenenfalls erfolgt zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs, um andere Erkrankungen wie Gallensteine auszuschließen. Für eine sichere Diagnose ist häufig eine Magenspiegelung (Gastroskopie) nötig: Dabei wird ein flexibler, mit einer Kamera ausgestatteter Schlauch über Rachen und Speiseröhre bis in den Magen vorgeschoben, wodurch sich die Schleimhaut direkt beurteilen lässt. Während der Untersuchung können zugleich Gewebeproben entnommen werden.
Bei Verdacht auf eine Infektion mit Helicobacter pylori stehen mehrere Testverfahren zur Verfügung:
- Biopsie im Rahmen der Magenspiegelung: Die entnommene Gewebeprobe wird auf das Bakterium untersucht – diese Methode gilt als besonders zuverlässig.
- Atemtest: Nach Einnahme einer speziellen Testlösung lässt sich anhand der Atemluft nachweisen, ob das Bakterium im Magen aktiv ist.
- Stuhltest: Weist Eiweißbestandteile (Antigene) des Bakteriums im Stuhl nach.
- Bluttest: Zeigt Antikörper gegen Helicobacter pylori – der Test kann allerdings nicht zwischen einer akuten und einer bereits ausgeheilten Infektion unterscheiden.
Wann zum Arzt?
Bei starken oder anhaltenden Magenbeschwerden sollte grundsätzlich ärztlicher Rat eingeholt werden. Umgehend abgeklärt werden sollten folgende Alarmsignale:
- Blut im Erbrochenen
- schwarzer Stuhl
- ungewollter Gewichtsverlust
- anhaltendes Erbrechen
- Schluckstörungen
- Blutarmut
Diese Warnzeichen können auf ein Magengeschwür oder – in seltenen Fällen – auf einen Tumor hinweisen und erfordern eine zeitnahe Diagnostik.
Wie wird eine Gastritis behandelt?
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Liegt eine Infektion mit Helicobacter pylori vor, kommt eine Kombination aus Antibiotika und einem Protonenpumpenhemmer (PPI) zum Einsatz. Diese sogenannten Säureblocker reduzieren die Magensäureproduktion und unterstützen die Heilung. Eine konsequente Therapie ist wichtig. Denn: eine unbehandelte Magenschleimhautentzündung kann langfristig das Risiko für Magengeschwüre und bestimmte Formen von Magenkrebs erhöhen.
Bei einer akuten Gastritis ist dagegen nicht automatisch eine längerfristige Säureblocker-Therapie notwendig – entscheidend sind hier Ursache und Schweregrad. Generell ist es wichtig, PPI genau nach ärztlicher Vorgabe anzuwenden. Die Medikamente sind sehr gut untersucht und sicher, jedoch kann eine zu hohe Dosis oder zu lange Anwendung die Säurebildung im Magen unnötig hemmen und die dortige Bakterienvielfalt stören. Ist eine langfristige Anwendung der PPI nötig, sollte diese regelmäßig kontrolliert werden.
Wie schnell heilt die Magenschleimhaut?
Akute Schäden bilden sich meist innerhalb weniger Tage bis Wochen zurück. Häufig reicht es bereits, den Auslöser zu beseitigen – etwa auf Alkohol zu verzichten oder ein Medikament durch ein verträglicheres Präparat zu ersetzen.
Bei einer chronischen Gastritis hängt die Erholung davon ab, wie lange die Erkrankung bereits besteht und ob sich schon dauerhafte Veränderungen der Schleimhaut eingestellt haben.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Gastritis
Kann man einer Gastritis vorbeugen?
Nicht jede Form lässt sich verhindern – insbesondere die Typ-A- und die Typ-B-Gastritis entstehen durch Faktoren, die man nur begrenzt beeinflussen kann. Bei der akuten und der Typ-C-Gastritis lässt sich das Risiko jedoch senken:
- Alkohol nur in Maßen konsumieren
- auf Nikotin verzichten
- Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac nicht über längere Zeit ohne ärztliche Rücksprache einnehmen
- auf eine ausgewogene Ernährung achten und sehr scharfe oder stark gewürzte Speisen bei Beschwerden meiden
- Stress abbauen, etwa durch Bewegung, Entspannungstechniken oder ausreichend Schlaf

