Das Wichtigste in Kürze: richtige Ernährung bei Gastritis
- Ernährung heilt eine Gastritis nicht, kann aber Beschwerden wie Schmerzen und Völlegefühl lindern
- Kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten werden meist besser vertragen als große Portionen
- Eine strenge Schonkost gilt heute als überholt – erlaubt ist, was individuell verträglich ist
- Alkohol und Nikotin sollten möglichst gemieden werden
- Eine spezielle „Gastritis-Diät" gibt es nicht – empfohlen wird eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung
Der Magen produziert täglich rund drei Liter Magensaft, um Essen zu verdauuen und Keime abzutöten. Damit der Magen nicht selbst von dieser extremen Säure angegriffen wird, bildet er normalerweise eine Schutzschicht. Bei einer Gastritis ist dieser Film gestört und die Schleimhaut schmerzhaft entzündet. Welche Behandlung dann die richtige ist, hängt von der Ursache der Gastritis ab.
Zusätzlich kann man durch den richtigen Speiseplan den Magen unterstützen. Dr. Viola Andresen, Fachärztin für Innere Medizin am Medizinicum Hamburg, beantwortet die wichtigsten Fragen.
Welche Rolle spielt die Ernährung bei Gastritis?
ANDRESEN Die Ernährung hilft vor allem dabei, Beschwerden zu lindern. Sie kann die entzündete Magenschleimhaut zwar nicht heilen, aber dazu beitragen, Reizungen zu reduzieren und die Symptome wie Schmerzen, Druckgefühl, Übelkeit oder Völlegefühl zu bessern.
Grundsätzlich gelten gängige Ernährungs-Empfehlungen sowohl für eine akute Gastritis als auch für eine symptomatische chronische Gastritis. Betroffene vertragen meist kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten besser als große Portionen. Sobald die Beschwerden nachlassen, sollte die Ernährung schrittweise wieder erweitert werden.
Wichtig: Bei einer chronischen Gastritis hängt die Behandlung stärker von der Ursache ab. Ernährung kann hier die Beschwerden lindern, ersetzt aber nicht die ursächliche, medikamentöse Therapie. Langfrisitg ist eine ausgewogene, individuell gut verträgliche Ernährung das Ziel.
Haben Sie weitere Tipps, die Sie Patienten geben, die mit einer Magenschleimhautentzündung zu Ihnen kommen?
ANDRESEN Zunächst empfehle ich, auf die Signale des eigenen Körpers zu achten. Es gibt keine allgemeingültige Gastritis-Diät, denn die Verträglichkeit einzelner Lebensmittel ist individuell sehr unterschiedlich.
Bewährt haben sich einige Grundregeln:
- Lieber mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger sehr großer Portionen.
- Langsam essen und gründlich kauen.
- Sehr fettige, stark gewürzte oder frittierte Speisen vorübergehend reduzieren, wenn sie Beschwerden auslösen.
- Alkohol möglichst meiden und auf Nikotin verzichten.
- Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke oder sehr saure Lebensmittel eher einschränken. Sie sind aber in Ordnung, wenn sie individuell vertragen werden.
Sollte man Phasen, in denen der Magen leer ist, lieber vermeiden, weil die Magensäure dann die Schleimhaut reizt?
ANDRESEN Lange Nüchternphasen müssen nicht grundsätzlich vermieden werden. Manche Menschen empfinden regelmäßige kleinere Mahlzeiten als angenehmer, andere kommen mit längeren Essenspausen gut zurecht. Entscheidend ist die individuelle Symptomatik.
Unmittelbar vor dem Schlafengehen sehr große Mahlzeiten zu vermeiden, ist in der Regel sinnvoll. Bei einer akuten Gastritis tut es anfangs oft gut, für ein oder zwei Tage auf feste Nahrung zu verzichten. Viel trinken sollte man aber in dieser Zeit – stilles Wasser oder Kräutertee.
Warum wird eine dauerhafte Schonkost heute nicht mehr empfohlen?
ANDRESEN Die klassische Schonkost mit einer sehr eingeschränkten Lebensmittelauswahl gilt heute als überholt. Studien konnten nicht zeigen, dass sie die Heilung einer Gastritis beschleunigt. Im Gegenteil: Eine langfristig einseitige Ernährung kann die Nährstoffversorgung verschlechtern und die Lebensqualität unnötig einschränken. Heute empfehlen Fachgesellschaften deshalb eine individuell angepasste, möglichst abwechslungsreiche Ernährung. Lebensmittel sollten nicht pauschal verboten werden, sondern nur dann gemieden werden, wenn sie tatsächlich Beschwerden verursachen.
Kann eine antientzündliche Ernährung Menschen mit empfindlichem Magen helfen?
ANDRESEN Der Begriff „antientzündliche Ernährung“ beschreibt ein Ernährungsmuster, das reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, hochwertigen pflanzlichen Ölen und Fisch ist und gleichzeitig wenig hochverarbeitete Lebensmittel enthält. Insgesamt ist das ein günstiges Ernährungsmuster und kann entzündliche Prozesse im Körper positiv beeinflussen, also auch die Gesundheit des Magen-Darm-Trakts unterstützen.
Für Gastritis gibt es bislang aber keine überzeugenden Studien, die zeigen, dass eine antientzündliche Ernährung die Magenschleimhaut direkt heilt. Deshalb empfehlen wir keine spezielle „Gastritis-Diät“, sondern langfristig eine ausgewogene, überwiegend pflanzenbetonte Ernährung, angepasst an die individuelle Verträglichkeit.
Forscher schenken dem Mikrobiom im Zusammenhang mit Gastritis in letzter Zeit große Aufmerksamkeit. Warum spielt die Bakterienvielfalt in Magen und Darm eine Rolle?
ANDRESEN Der Magen ist keineswegs steril, sondern besitzt ebenfalls ein eigenes Mikrobiom. Gleichzeitig stehen Magen und Darm über verschiedene Mechanismen miteinander in Verbindung. Besonders bedeutsam ist das Bakterium Helicobacter pylori, das ja die häufigste Ursache einer chronischen Gastritis darstellt und das mikrobielle Gleichgewicht im Magen verändert.
Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Veränderungen des Darmmikrobioms Entzündungsprozesse im gesamten Verdauungstrakt beeinflussen können. Allerdings ist die Forschung hier noch jung. Viele Zusammenhänge werden derzeit untersucht, sodass sich aus den bisherigen Erkenntnissen noch keine allgemeinen Therapieempfehlungen ableiten lassen.
Lohnt es sich trotzdem, das Mikrobiom als Gastritis-Patient zu stärken?
ANDRESEN Grundsätzlich spricht vieles dafür, das Mikrobiom durch einen gesunden Lebensstil zu unterstützen. Dazu gehören eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend pflanzliche Lebensmittel, regelmäßige Bewegung und ein möglichst sparsamer Einsatz von Antibiotika – wenn diese nicht medizinisch notwendig sind. Ob eine gezielte Verbesserung des Mikrobioms die Beschwerden einer Gastritis direkt lindert, ist bisher jedoch nicht eindeutig belegt.
Macht es Sinn, Probiotika einzunehmen?
ANDRESEN Das sollte individuell entschieden werden. Probiotika bei Gastritis generell zu empfehlen, dafür reicht die wissenschaftliche Evidenz derzeit nicht aus. Einzelne Mittel können beispielsweise helfen, die Nebenwirkungen einer Antibiotikatherapie zu reduzieren. Sie dient bei einer Gastritis durch Helicobacter pylori dazu, das Bakterium zu eliminieren.
Die Probiotika ersetzen aber nicht die Standardtherapie. Für die meisten Menschen ist es sinnvoller, regelmäßig fermentierte Lebensmittel in eine ausgewogene Ernährung einzubauen: etwa Joghurt mit lebenden Kulturen oder – sofern gut verträglich – Kefir.

Dr. Viola Andresen ist Fachärztin für Innere Medizin am Medizinicum Hamburg und bekannt als NDR-Ernährungs-Doc. In ihrem neuen Buch „Mein Ballaststoff-Masterplan“ (ZS Verlag) erklärt sie, wie „Fibermaxxing“ gesund gelingt. Der Ernährungstrend hat das Ziel, die tägliche Aufnahme von Ballaststoffen zu erhöhen. Sie gelten als Schlankmacher und können vor Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes schützen.
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