Volle, lange, dunkle Wimpern – wer wünscht sie sich nicht? Leider hat nicht jeder das Glück, sie von Natur aus zu besitzen. Lange hat man sich falsche Wimpern angeklebt oder mit Mascara getrickst. Vor einigen Jahren wurden dann Wimpernseren, die das Wachstum anregen, beliebt. Was viele nicht wissen: Ein Großteil dieser Produkte enthält Stoffe, die dem Auge schaden können.
Was sind Wimpernseren?
Lange, geschwungene Wimpern lassen den Blick wacher und die Augen größer wirken. Nachhelfen kann man mit einem Wimpernserum, dass die Wimpern wachsen lässt. Im Drogeriemarkt sind sie auch als „Lash Booster“ erhältlich. Meist werden die Produkte über mehrere Wochen abends und dann alle paar Tage aufgetragen. Dafür fährt man mit dem Pinsel des Serums den oberen Wimpernkranz am Augenlid entlang – ähnlich wie wenn man einen Lidstrich aufmalt. Grundsätzlich lassen sich die Wirkstoffe in Wimpernseren in drei Gruppen einteilen: Vitamine, Öle und Prostaglandine. Prostaglandine sind am wirksamsten, stehen jetzt aber in der Kritik.
Was sind Prostaglandine in Wimpernseren?
„Prostaglandine sind Hormone, wie sie ähnlich auch im Körper vorkommen. Dort wirken sie unter anderem als Entzündungshormone“, erklärt Dr. Norbert Pfeiffer, Augenarzt an der Universitätsmedizin Mainz und Vorstandsmitglied der Stiftung Auge auf einer Pressekonferenz. „Seit 1996 werden synthetische Prostaglandine medizinisch am Auge zur Behandlung von Glaukom-Erkrankungen eingesetzt.“ Beim Glaukom (Grüner Star) ist der Innendruck im Auge zu hoch, unbehandelt kann die Krankheit zur Erblindung führen. Prostaglandine werden erfolgreich eingesetzt, um den Augeninnendruck zu senken und das Fortschreiten des Glaukoms zu bremsen. Somit überwiegt der Nutzen deutlich den Nebenwirkungen wie gereizten Augen.
Wie wirken Prostaglandine?
Prostaglandine senken nicht nur den Augeninnendruck beim Glaukom, sondern haben noch einen vermeintlich positiven Nebeneffekt: „Nach der Einführung dieser Medikamentengruppe dauerte es nicht lange, bis Patientinnen und Patienten entdeckten, dass bei einseitiger Behandlung die Wimpern viel länger, dicker und stärker wurden im Vergleich zur unbehandelten Gegenseite“, sagt Dr. Pfeiffer.
Der Effekt lässt sich so erklären: Prostaglandine sorgen dafür, dass das Pigment Melanin verstärkt gebildet und eingelagert wird. Das führt „zu einer dunkleren Färbung der Haut, der Regenbogenhaut und eben auch der Haare, die mit den Prostaglandinen in Berührung kommen“, erklärt Dr. Pfeiffer. „Dunkle, insbesondere schwarze Haare, wachsen längere Zeit, bevor sie wieder ausfallen.“ Genau das passiert auch mit den Wimpern.
Allerdings verlieren diese oft ihre Richtung und stehen laut dem Augenspezialisten manchmal kreuz und quer. „Sie sind geradezu lockig.“ Und das sind längst nicht alle Schattenseiten.
Diese Nebenwirkungen können auftreten
Ob Glaukom-Therapie oder rein kosmetische Anwendung, die Nebenwirkungen von Wimpernseren mit Prostaglandinen bleiben die gleichen – und können auch nach dem Absetzen der Produkte anhalten. Zu den häufigsten zählen:
- Reizung von Auge und Hornhaut
- Regenbogenhaut-Entzündung
- Verfärbung der Iris (Regenbogenhaut) von Blau nach Braun
- Hautausschlag rund um die Augen und dunkle Verfärbung
- Schwinden des Fettgewebes um das und hinter dem Auge (Augen wirken dadurch eingefallen)
- Veränderungen der Augenhülle, etwa eine dünnere, weichere Hornhaut
Nebenwirkungen von Wimpernseren lassen sich kaum verhindern
Hersteller empfehlen zwar, das Serum nur auf Wimpernkranz oder Lidhaut aufzutragen und nicht direkt ins Auge zu geben. „Es konnte allerdings nachgewiesen werden, dass ein Großteil der Flüssigkeit schließlich doch im Auge, also im Bindehautsack, landet und damit ähnliche Nebenwirkungen entstehen wie bei der Glaukom-Behandlung“, sagt Dr. Pfeiffer auf der Pressekonferenz der Stiftung Auge.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte bereits 2018 vor der Anwendung von Wimpernseren mit Prostaglandinen, in Kanada sind Kosmetikprodukte, die die Hormone enthalten, seit 2015 verboten. Die EU bereitet ein Verbot vor.
So erkennen Sie Prostaglandine auf der Verpackung
Auf den ersten Blick ist vielen Produkten nicht anzusehen, ob sie Prostaglandine enthalten. Auf der Liste der Inhaltsstoffe erkennt man sie an dem Wortbestandteil „prost“ – etwa bei Wirkstoffen wie Isopropyl Cloprostenat oder Bimatoprost. Vorsicht: Manche neueren Wirkstoffe stehen nur unter Abkürzungen wie MDN, DDDE oder IPCP auf der Verpackung.
Alternativen zum Wimpernserum mit Prostaglandinen
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zu „hormonfreien" Wimpernseren auf Basis von Rizinusöl oder Erdnussöl (sofern keine Erdnussallergie besteht). Diese wirken zwar schwächer als Prostaglandine, gelten aber als deutlich verträglicher für das Auge.
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