Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Schwindel und Kopfschmerzen – die ersten Symptome entwickeln sich ganz allmählich. „Da all das immer mal im Leben vorkommt, denken viele Frauen oft gar nicht an die Wechseljahre und nehmen die Beschwerden lange hin", so Dr. Katrin Schaudig, Gynäkologin aus Hamburg und Präsidentin der Deutschen Menopausegesellschaft.
Was sich in den Wechseljahren im Körper verändert
In Deutschland durchleben gerade schätzungsweise neun Millionen Frauen die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt. In dieser Lebensphase verringert sich die Zahl der Eizellen, die Eierstöcke produzieren weniger von den Hormonen Östrogen und Progesteron, der Zyklus wird erst unregelmäßig, schließlich hören die Monatsblutungen ganz auf. Die letzte Blutung wird als Menopause bezeichnet. Ist ein Jahr ohne Blutungen vergangen, beginnt die Postmenopause.
Ihr Wegweiser durch die Wechseljahre
Warum Hormonschwankungen Beschwerden auslösen können?
„Die Abnahme der noch vorhandenen Eizellen führt zu starken hormonellen Schwankungen", erklärt die Hormon-Expertin. „Mal bleiben Eisprünge aus, mal reifen mehrere Eizellen kurz hintereinander – in der Folge werden mal zu wenige oder mal zu viele Hormone ausgeschüttet. Diese hormonelle Achterbahnfahrt kann das Wohlbefinden stark beeinflussen."
Welche Symptome in den Wechseljahren häufig auftreten
Ein Drittel aller Frauen kommt relativ problemlos durch diese Zeit. Die Mehrheit berichtet jedoch von Beschwerden. „Bei jeder dritten Frau sind diese so belastend, dass die Lebensqualität erheblich leidet", so die Gynäkologin Dr. Schaudig. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
- Hitzewallungen und Schweißausbrüche
- Schlafstörungen
- Erschöpfung
- Depressive Verstimmungen
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Herzklopfen und Herzschmerzen
- Scheidentrockenheit
Von Kopf bis Fuß: Warum Wechseljahre so unterschiedlich spürbar sind
Die Östrogen-Rezeptoren sitzen im gesamten Körper – nicht nur in den Geschlechtsorganen. Werden sie durch den sinkenden Hormonspiegel nicht mehr ausreichend versorgt, kann das ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen. Insgesamt sind mindestens 40 verschiedene Symptome bekannt, die von Kopf bis Fuß auftreten können. Deshalb sind neben den oben genannten unter anderem auch folgende typisch:
- Schwindel
- Geschmacksveränderungen
- Libidoverlust
- Harnwegsinfekte
- Herzrhythmusstörungen
- Trockene Augen
- Haarausfall
- Reizblase
- Vergesslichkeit
- Trockene, juckende Haut
- Allergien
Auffällig dabei: Der Zyklus kann trotz dieser Beschwerden zunächst noch völlig regelmäßig erscheinen, sodass viele Frauen den Zusammenhang mit den Wechseljahren nicht sofort erkennen.
Warum Wechseljahresbeschwerden oft falsch eingeordnet werden
Tatsächlich ist es häufig umgekehrt: Viele Fachärzte verschiedener Disziplinen denken bei entsprechenden Symptomen nicht an die Wechseljahre. Bei Herzrhythmusstörungen wird oft nur das Herz untersucht, Gelenkschmerzen werden manchmal vorschnell auf das Alter zurückgeführt. Dabei sollten hormonelle Veränderungen bereits ab Ende 30 als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden. Gleichzeitig ist eine fachärztliche Abklärung wichtig, um andere Erkrankungen nicht zu übersehen: Eine Schilddrüsenfehlfunktion etwa äußert sich durch Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme, Haarausfall oder Herzrhythmusstörungen – Symptome, die vor allem der Perimenopause stark ähneln können. Wer solche Beschwerden bei sich bemerkt, sollte daher auch die Schilddrüsenwerte FT3, FT4 und TSH bestimmen lassen.
Wann die Wechseljahre vorbei sind – und was oft bleibt
Mit der Postmenopause, der letzten Phase der Wechseljahre, kommt das Hormonchaos langsam zur Ruhe. Sie beginnt durchschnittlich im Alter von 52, also ein Jahr nach der letzten Regelblutung. Wer diese jedoch später hat, kann auch noch mit Mitte/Ende 60 unter den Symptomen des Klimakteriums leiden. Einige Beschwerden bleiben ohnehin bestehen.
Etwa Scheidentrockenheit: Aufgrund des Östrogenmangels wird die Haut dünner, und die Scheide produziert weniger Feuchtigkeit. Davon ist jede Frau in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Eine dauerhafte Behandlung mit befeuchtendem Hyaluron-Gel kann helfen, genauso wie verschreibungspflichtige Scheidenzäpfchen mit Östrogen.
Was nach der Menopause wichtig wird?
Weil nach der Menopause die schützende Wirkung des Östrogens fehlt, kann es auch zu trockenen Augen, Haarausfall und einer Reizblase kommen. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose sowie Arthrose und Arthritis. Umso wichtiger für Frauen 60 plus: ein gesunder Lebensstil. Zudem sollten sie Probleme frühzeitig beim Arzt abklären und behandeln lassen. Denn: Wechseljahr-Beschwerden muss heute keine Frau mehr ertragen. Mit der richtigen Therapie kommt man gut durch diese Lebensphase – mit oder ohne Hormone.