Dass man sein Kind nicht versteht, passiert ja durchaus öfter. Bei uns jetzt leider auch. Also nicht im Sinne von „Ich verstehe nicht, was du machst“ (das auch manchmal), sondern im Sinne von „Ich verstehe nicht, was du sagst“. Seit einigen Jahren erleben mein Mann und ich, wie unsere 18-jährige Tochter Lina mit Muttersprache Deutsch (und Niederbayerisch) fließend eine Sprache spricht, die man eher in Neukölln als bei uns in München erwarten würde.
Viele englische Begriffe, auch türkische – und selbst die deutschen Wörter scheinen eine andere Bedeutung zu haben als die, die ich damit verbinde. Uns gegenüber hält sie sich damit zurück, aber wenn wir Zeugen einer Unterhaltung mit Gleichaltrigen oder ihrem drei Jahre älteren Bruder werden, erstaunt es uns, wie sich plötzlich ihr Wortschatz, ihr Satzbau, die Grammatik, sogar ihre Stimmfarbe verändern.
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Das sei eine vollkommen normale Entwicklung von Jugendlichen, die sich sprachlich von Erwachsenen abgrenzen wollen, sagt Simon Meier-Vieracker, Professor für Angewandte Linguistik an der Technischen Universität Dresden. Es ist ein wichtiger Teil ihrer Findungsphase. „Das ist kein neues Phänomen. Seit 200, 300 Jahren bringen Jugendliche Erwachsene damit zur Verzweiflung – und die Welt ist davon in den letzten 200 Jahren auch nicht untergegangen.“ In seiner Jugend sei es das Wort „geil“ gewesen, mit dem er und seine Altersgenossen die ältere Generation schocken konnten. Zu Zeiten seiner Oma waren es beispielsweise „knorke“ oder „dufte“.

