Blasenschwäche ist weit verbreitet – und trotzdem ein Tabuthema. Dabei gilt: Inkontinenz ist kein Schicksal. Sie lässt sich mit verschiedenen Therapien gut behandeln, gezieltes Beckenbodentraining etwa hilft dabei, das Tröpfeln abzustellen.
Verschiedene Formen von Blasenschwäche
Das Halten und Ablassen von Urin ist ein hochkompliziertes System im Körper. Gerät das Zusammenspiel aus Nerven und Muskeln aus dem Takt, geht unfreiwillig Urin ab. Inkontinenz hat verschiedene Auslöser:
- Durch Geburten kann die Beckenbodenmuskulatur Schaden nehmen.
- Übergewicht erhöht den Druck auf den Beckenboden und kann ihn schwächen.
- Auch Störungen der Nervenversorgung im Becken können eine Rolle spielen.
Die drei häufigsten Formen von Harninkontinenz sind:
💧 Belastungs- oder Stressinkontinenz:
Betroffene verlieren beim Husten, Niesen, Lachen, Treppensteigen oder beim Sport Urin. Ursache ist meist ein geschwächter Beckenboden, der dem Druck im Bauchraum nicht mehr standhält.
💧 Dranginkontinenz:
Der Harndrang kommt plötzlich und sehr stark – oft auch bei noch wenig gefüllter Blase. Viele Betroffene verlieren Urin, bevor sie die Toilette erreichen. Typisch ist auch nächtlicher Harndrang.
💧 Mischinkontinenz:
Eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz. Während in jungen Jahren die Belastungsinkontinenz häufiger ist, tritt diese Form mit zunehmendem Alter vermehrt auf.
Beckenbodentraining hilft bei jeder Blasenschwäche
Ein kräftiger Beckenboden stabilisiert die Harnröhre und unterstützt die Blasenfunktion. Deshalb gilt: Beckenbodenübungen sind bei jeder Form der Inkontinenz sinnvoll.
Hier geht es zu einfachen Übungen:
Diese Anleitungen stärken den Beckenboden
Viel trinken bei Blasenschwäche - ja oder nein?
Viele Frauen trinken aus Angst vor Urinverlust absichtlich weniger. Andere trinken sehr viel in der Hoffnung, „die Blase zu trainieren“. Beides kann problematisch sein:
- Zu wenig Flüssigkeit reizt die Blase durch stark konzentrierten Urin.
- Zu viel Flüssigkeit kann vor allem eine Dranginkontinenz verstärken und das ungewollte Tröpfeln verstärken.
Als Orientierung gelten etwa zwei Liter täglich – sofern keine Herz- oder Nierenerkrankung dagegen spricht.
Und was sollte man trinken? Ideal sind stilles Wasser oder milde Kräutertees. Auf stark koffeinhaltige, sehr süße oder alkoholische Getränke lieber verzichten, sie können die Blase zusätzlich stimulieren.
Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern auch eine gleichmäßige Verteilung über den Tag. Insbesondere bei Dranginkontinenz ist ein Blasentraining sinnvoll. Die Basis dafür bildet ein Toiletten- und Trinkprotokoll:
Toiletten- und Trinkprotokoll zum Ausdrucken und Ausfüllen
Blasentraining: Den Harndrang neu programmieren
Basierend auf dem Tagebuch kann dann gemeinsam mit dem behandelnden Arzt das Training geplant werden: Man geht nach der Uhr auf Toilette, zwischendurch nicht. Die Toilette wird also nicht mehr vorsichtshalber oder sofort bei leichtem Drang aufgesucht, sondern nach einem festen Zeitplan. Nach einer Woche etwa kann man die Abstände zwischen den WC-Besuchen verlängern. „Ziel des Trainings ist es, dass die Frau bei einer Trinkmenge von zwei Litern pro Tag circa siebenmal innerhalb von 24 Stunden zur Toilette geht“, schreibt Prof. Ursula Peschers in ihrem Buch „Gebärmuttersenkung und Inkontinenz“ (Trias, 22 Euro).
Blasenschwäche bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren – sondern sie neu zu lernen. Mit gezielten Beckenbodenübungen, einem durchdachten Blasentraining und einem ehrlichen Blick auf die eigenen Gewohnheiten lässt sich oft spürbar Lebensqualität zurückgewinnen.
Wichtig dabei ist, sich professionelle Unterstützung zu holen. Gemeinsam mit dem Arzt kann man darüber hinaus besprechen, ob eine Therapie in Frage kommt.



