45 % der über 65-Jährigen sind mit ihrem Sexleben zufrieden. Das zeigt die Studie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland“, unter Leitung des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf. Für viele Paare wird Zärtlichkeit dabei mit der Zeit zur stärksten Form der Nähe.
Sex verändert sich – Nähe bleibt: Was lange Beziehungen glücklich macht
Hanna zieht die Decke ein Stück höher und rutscht näher an ihren Mann. Der Fernseher läuft, aber keiner von beiden schaut wirklich hin. Seine Hand liegt auf ihrem Arm. Es ist einer dieser Abende, die sich vertraut anfühlen. „Früher hätte ich gedacht, jetzt müsste eigentlich mehr passieren“, sagt Hanna (56). Sie und Joachim sind seit 28 Jahren zusammen. Eine Weile hat sie sich gefragt, ob mit ihrer Beziehung etwas nicht stimmt, weil Sex kaum noch eine Rolle spielte.„Überall hört man, wie wichtig Sex ist. Da fragt man sich automatisch: Fehlt uns was?“
Weniger Sex bedeutet nicht, dass mit der Beziehung etwas nicht stimmt
Wenn aus Leidenschaft Vertrautheit wird, schleicht sich Unsicherheit ein. Auch die Paar- und Sexualtherapeutin Nele Sehrt aus Hamburg erlebt das in ihrer Praxis. Doch sie kann Paare beruhigen. „Auch wenig oder gar keinen Sex zu haben, ist normal“, sagt die Diplom-Psychologin. „Die Medien vermitteln, dass Sex unbedingt zu einer Beziehung gehört. Das macht Druck. Dabei hat echte Nähe nicht zwingend mit Sex zu tun.“
Warum Zärtlichkeit in langjährigen Beziehungen oft wichtiger wird als Sex
Wie Paare Intimität erleben, verändert sich mit der Zeit. Darauf weist auch die britische Natsal-Studienreihe hin, eine der umfangreichsten Untersuchungen zur Sexualität über die Lebensspanne hinweg. Sie zeigt, dass sexuelle Aktivität im Alter oft abnimmt. Andere Forschungen deuten darauf hin, dass emotionale Nähe, Verlässlichkeit und Zärtlichkeit für Paare an Bedeutung gewinnen.
Das deckt sich mit dem, was viele Langzeitpaare im Alltag erleben.…


