Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers – und das am meisten unterschätzte. Sie wiegt zwischen drei und zehn Kilogramm, bedeckt bis zu zwei Quadratmeter Fläche und ist doch viel mehr als nur eine Hülle unseres Körpers: Sie schützt vor Bakterien, Viren und UV-Strahlung, reguliert die Körpertemperatur, nimmt Sinneseindrücke wahr.
Trotzdem behandeln wir sie oft nebenbei. Dabei lohnt es sich, die Haut besser kennenzulernen. Denn wer versteht, wie sie aufgebaut ist und was sie braucht, pflegt sie gezielter – und erkennt früher, wenn etwas nicht stimmt. Wie viel Sonnencreme brauche ich? Sind Warzen immer harmlos? Was hilft bei trockener Haut? In diesem Magazin beantworten wir ganze 111 Fragen.
Sonne & Schutz

© Grafik: KI generiert mit Midjourney/Agentur2
1. Gibt es gesunde Bräune?
Leider nein – auch wenn gebräunte Haut nach Gesundheit und Urlaub aussieht. Die Deutsche Krebshilfe stellt klar: „Jede sichtbare Bräunung ist bereits ein Hinweis auf UV-bedingte Hautschäden.“ Bräune ist nichts anderes als ein Schutzmechanismus – die Haut bildet den Farbstoff Melanin, um ihr Erbgut vor weiteren UV-Schäden zu bewahren. Jeder einzelne UV-Schaden zahlt dabei auf das lebenslange Hautkrebsrisiko ein.
2. Wie kann ich mich wirksam vor Hautkrebs schützen?
Das Wichtigste ist konsequenter UV-Schutz: Meiden Sie intensive Mittagssonne, tragen Sie schützende Kleidung, Sonnenhut und Sonnenbrille und verwenden Sie regelmäßig Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (mindestens LSF 30, besser 50). Auch wichtig: Solariumbesuche vermeiden, da sie das Hautkrebsrisiko deutlich erhöhen.
3. Was ist der Lichtschutzfaktor in Sonnencremes?
Der Lichtschutzfaktor – kurz LSF oder SPF (Sun Protection Factor) – gibt an, um wie viel länger man sich in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Ein Beispiel: Wer ungeschützt nach zehn Minuten einen Sonnenbrand bekommt, kann mit LSF 30 theoretisch 300 Minuten in der Sonne bleiben – vorausgesetzt, die Creme wird ausreichend aufgetragen und regelmäßig erneuert. Wichtig zu wissen: Der LSF schützt vor UV-B-Strahlung, die Sonnenbrand verursacht. Gute Sonnencremes enthalten zusätzlich einen UV-A-Schutz – erkennbar am EU-Logo mit dem Kreis-Symbol auf der Verpackung. UV-A-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein, verursachen keine sichtbaren Verbrennungen, beschleunigen aber die Hautalterung und erhöhen das Hautkrebsrisiko.
4. Lichtschutzfaktor 30 reicht aus, oder?
„Das kommt darauf an, was Sie vorhaben“, sagt Dr. Elisabeth Stammler, Hautärztin aus Regensburg. „Verbringen Sie den Tag hauptsächlich in geschlossenen Räumen, könnte LSF 30 reichen. Aber wenn Sie sich draußen aufhalten, im Sommer und natürlich besonders beim Baden oder im Urlaub, sollte es auf jeden Fall ein Produkt mit LSF 50 sein.“ Im Gegensatz zu LSF 30 blockiert der höhere Lichtschutz zwar nicht wesentlich mehr Sonnenstrahlen, verlängert aber die Zeit, in der man sich unbesorgt in der Sonne aufhalten kann. Auch der Hauttyp und die UV-Belastung spielen eine Rolle: helle Hauttypen sollten eher zu LSF 50 greifen.
5. Was sagt mir der UV-Index?
Der UV-Index, den zum Beispiel Wetter-Apps angeben, zeigt an, wie stark die UV-Strahlung der Sonne gerade ist – und damit, wie schnell ungeschützte Haut Schaden nehmen kann. Die Skala reicht von 1 bis 11+, je höher der Wert, desto größer das Risiko.
6. Wie viel Sonnencreme sollte man verwenden?
„Viele unterschätzen, wie viel Sonnencreme man auftragen muss“, sagt die Dermatologin Dr. Elisabeth Stammler und erklärt: „Wenn Sie sich von oben bis unten eincremen, ist eine Lotion mit 250 ml nach etwa fünf Anwendungen aufgebraucht.“ Auch beim Gesicht darf man nicht sparen, die richtige Menge dafür lässt sich mit den Fingern abmessen: zwei Linien Sonnencreme je von der Fingerspitze bis zum Ansatz des Fingers. „Wenn Sie ein UV-Spray verwenden, achten Sie bitte darauf, wirklich genug aufzusprühen. Und natürlich bei Bedarf nachcremen oder -sprühen.“
7. Kann ich die Sonnencreme vom letzten Jahr noch nehmen?
Lieber nicht. Die Cremes sind nach dem Öffnen zwar meist ein halbes oder ganzes Jahr haltbar (Datum steht auf der Packung). Aber dafür müsste die Creme kühl und dunkel gelagert werden, das machen die wenigsten Menschen. Nach einigen Monaten verändert sich die Konsistenz, es bildet sich eine ölige Schicht oder die Creme riecht komisch. Vor allem Sonnenschutz mit chemischen Filtern wirkt nach einiger Zeit oft schlechter – auch ohne Anzeichen von Verderb!
8. Reicht Make-up mit Lichtschutzfaktor?
Make-up mit Lichtschutzfaktor kann eine gute Ergänzung sein, ersetzt aber keinen klassischen Sonnenschutz. Wichtig ist, darunter eine ausreichende Menge Sonnencreme aufzutragen – besonders im Gesicht, am Dekolleté und an den Ohren. Auch Lippenpflege mit UV-Schutz wird oft vergessen.
9. Kann es sein, dass ich allergisch auf Sonnencreme reagiere?
Es ist möglich, dass bestimmte Inhaltsstoffe eine allergische Reaktion der Haut auslösen. „In so einem Fall empfehle ich, auf hypoallergene Sonnencremes ohne Parfüm und mit mineralischen Filtern, also Zinkoxid oder Titandioxid umzusteigen”, sagt Privatdozent Dr. Syrus Karsai vom Dermatologikum Hamburg.
10. Was ist eine Sonnenallergie?
„Die Sonnenallergie, die umgangssprachlich auch Mallorca-Akne genannt wird, ist eigentlich gar keine Allergie. Vielmehr handelt es sich um eine polymorphe Lichtdermatose, also eine Überempfindlichkeits-Reaktion der Haut auf UV-Strahlen“, erklärt Dr. Syrus Karsai vom Dermatologikum Hamburg. Wie es dazu kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass die UV-Strahlen des Sonnenlichts (vor allem UVA) die Hautzellen schädigen, die dann eine Immunreaktion auslösen.
11. Wie behandle ich die juckenden Pickel bei Sonnenallergie?
Kühlende Lotionen (z. B. mit Aloe vera), feuchtigkeitsspendende Cremes und kurzfristig eine kortisonhaltige Lotion können helfen. Außerdem sollte man weitere Sonnenbäder vermeiden, bis die Haut abgeheilt ist. Übrigens: Man muss die Sonne als Betroffener nicht vollständig meiden, aber vorsichtig sein. „Gewöhnen Sie Ihre Haut langsam an die Sonne, um die Toleranz zu verbessern. Beginnen Sie mit kurzen Sonnenbädern außerhalb der Mittagszeit, die Sie langsam steigern“, rät Dr. Syrus Karsai vom Dermatologikum Hamburg. „Dabei konsequent Sonnenschutzmittel verwenden und schützende Kleidung tragen.“
12. Machen Medikamente die Haut lichtempfindlicher?
Ja! Antibiotika wie Doxycyclin, nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac sowie Psychopharmaka, harntreibende Medikamente oder auch das in Drogerien freiverkäufliche Johanniskraut sorgen dafür, dass die Haut noch sensibler auf Sonnenlicht reagiert. Dieser Effekt wird „fototoxische Reaktion“ genannt und führt zu sonnenbrandähnlichen Symptomen.
Umso wichtiger ist es, die generell geltenden Schutz-Strategien einzuhalten: Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF 50+) verwenden und direktes Sonnenlicht vermeiden.
Pflege & Reinigung

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13. Kann ich ein Leben lang dieselbe Creme verwenden?
Das klappt meist nicht, denn in jeder Lebensphase hat unsere Haut andere Ansprüche und braucht unterschiedliche Wirkstoffe. Die Hautalterung beginnt im Schnitt schon mit 25 Jahren und ab dann verändert sich die Haut – die sogenannte Kollagensynthese nimmt nach und nach ab. „Deshalb ist es wichtig, seine Pflege den veränderten Bedürfnissen anzupassen, damit Sie sich rundum wohl in Ihrer Haut fühlen“, sagt Dr. Melanie Hartmann, Hautärztin aus Lüneburg mit den Schwerpunkten Anti-Aging und Haut in den Wechseljahren.
14. Was ist der Unterschied zwischen Tages- und Nachtcreme?
Kurz gesagt: Die Tagescreme schützt, die Nachtcreme regeneriert. Tagescreme ist leichter formuliert, enthält oft einen Lichtschutzfaktor und schützt die Haut vor Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung und Schmutz. Nachtcremes sind reichhaltiger – sie nutzen die Zeit, in der die Haut aktiv regeneriert und besonders aufnahmefähig ist. Typische Inhaltsstoffe: Retinol, Ceramide, Peptide oder Hyaluronsäure in höherer Konzentration.
15. Kann ich für die Augenpartie meine normale Creme nehmen?
Die Haut rund ums Auge ist etwa dreimal dünner als die restliche Gesichtshaut – und damit deutlich empfindlicher. Sie hat kaum Talgdrüsen, trocknet schneller aus und reagiert sensibler auf Wirkstoffe. Eine normale Gesichtscreme kann dort zu reichhaltig oder zu reizend sein. Speziell formulierte Augencremes sind milder, oft ohne Duftstoffe und auf die dünne Haut abgestimmt. Auftragen mit dem Ringfinger – er übt den geringsten Druck aus – sanft einklopfen, nicht einreiben.
Pflicht ist eine Augencreme nicht. Aber wer früh anfängt, tut sich langfristig etwas Gutes.
16. Creme, Serum, Reinigungswasser: Welche Reihenfolge ist richtig?
Eine Pflegeroutine besteht morgens und abends im Idealfall aus mehreren Schritten: Das Gesicht muss gereinigt und geklärt werden, damit dann die Inhaltsstoffe von Seren und Cremes pflegen können. Aber kommt davor oder danach der Sonnenschutz? Hier ist die Schritt-für-Schritt-Anleitung:
Morgens
- Reinigung: Milch oder Lotion entfernt Schweiß, Talg und Rückstände der Nachtpflege. Mit warmem Wasser abwaschen.
- Gesichtswasser (auch „Toner“): stellt den pH-Wert der Haut wieder her, der durch die Reinigung mit Wasser oft aus der Balance gerät.
- Serum: dringt mit seinen pflegenden Inhaltsstoffen tiefer in die Haut ein als eine Creme. Einfach auftupfen.
- Tagespflege: eine zum Hauttyp passende Creme sorgt für Extra-Feuchtigkeit.
- Sonnenschutz: im letzten Schritt schützt er Sommer wie Winter vor Hautalterung durch UV-Licht. Fünf Minuten einziehen lassen, bevor das Make-up folgt.
Abends
- Reinigung: Milch oder Lotion entfernt Make-up, Schweiß, Schmutzpartikel und Talg. Wer sich stark schminkt, verwendet zusätzlich am besten noch ein Waschgel.
- Gesichtswasser (auch „Toner“): verfeinert die Poren und kann die Haut nach der Reinigung beruhigen.
- Serum: zum Beispiel mit Retinol, welches die Zellerneuerung ankurbelt. Weil die Haut dadurch gegenüber UV-Licht sensibler wird, lieber abends als morgens anwenden.
- Nachtpflege: Eine reichhaltige Creme mit Kollagen oder Ceramiden hilft der Haut beim Regenerieren, stärkt die Hautbarriere und schützt vor dem Austrocknen.
- Augencreme: sanft rund ums Auge auftragen und mit dem Ringfinger einklopfen.
17. Wie oft sollte ich ein Peeling benutzen – und was ist der Unterschied zwischen chemisch und mechanisch?
Peelings entfernen abgestorbene Hautzellen, verfeinern das Hautbild und helfen Wirkstoffen, besser einzudringen. Aber nicht alle Peelings sind gleich:
Mechanische Peelings arbeiten mit feinen Schleifpartikeln – sie polieren die Haut buchstäblich. Für empfindliche Haut eher ungeeignet, da die Partikel kleine Verletzungen verursachen können.
Chemische Peelings lösen abgestorbene Zellen mit Fruchtsäuren oder Salicylsäure – sie sind sanfter, gleichmäßiger und auch für sensible Haut geeignet.
Faustregel: ein- bis zweimal pro Woche, je nach Hauttyp. Danach unbedingt Sonnenschutz – frisch gepeelte Haut ist lichtempfindlicher.
18. Warum ist die Hautbarriere so wichtig?
Sie ist der unterschätzte Held der Hautpflege. Die Hautbarriere ist die oberste Schutzschicht der Haut – eine Art unsichtbarer Schutzfilm aus Fetten, Proteinen und Feuchtigkeit, der Schadstoffe, Bakterien und UV-Strahlen draußen hält und gleichzeitig verhindert, dass die Haut austrocknet.
Ist sie intakt, sieht die Haut prall und gesund aus. Ist sie gestört – durch zu aggressive Reinigung, falsche Pflege oder äußere Einflüsse wie Kälte und Stress – wird die Haut empfindlich, trocken, reizbarer und anfälliger für Entzündungen. Die gute Nachricht: Eine gestörte Hautbarriere lässt sich reparieren. Produkte mit Ceramiden, Niacinamid oder Panthenol helfen dabei, sie wieder aufzubauen.
19. Muss ich Gesichtsmasken machen – und wenn ja, wie oft?
Müssen? Nein. Aber sie sind eine schöne Ergänzung zur Routine – und je nach Typ mit echtem Nutzen. Feuchtigkeitsmasken (z. B. mit Hyaluronsäure oder Aloe vera) geben der Haut einen intensiven Hydrations-Boost – ideal nach zu viel Sonne, Stress oder langen Flugreisen. Tonerde- oder Kaolin-Masken regulieren überschüssigen Talg und verfeinern Poren – gut für ölige oder Mischhaut. Tuchmasken sind praktisch, aber oft weniger wirksam als die cremigen Varianten.
Faustregel: ein- bis zweimal pro Woche reicht. Mehr ist selten mehr – die Haut braucht Zeit, um das Aufgetragene zu verarbeiten.
20. Sind Gesichtsreinigungsbürsten sinnvoll?
Kommt auf die Haut an. Reinigungsbürsten reinigen gründlicher als die Hand allein – sie entfernen Make-up, Talg und Schmutz auch aus den Poren. Für normale bis ölige Haut kann das ein echter Vorteil sein. Für empfindliche, trockene oder zu Rötungen neigende Haut sind sie dagegen oft zu aggressiv – die Borsten können die Hautbarriere reizen und Entzündungen fördern. Wer Akne hat, sollte ebenfalls vorsichtig sein: Bakterien können sich auf den Borsten festsetzen und Unreinheiten begünstigen. Wer eine Bürste nutzt: maximal zwei- bis dreimal pro Woche, sanfter Druck, Bürste regelmäßig reinigen und alle drei Monate ersetzen.
21. Alle reden von Hyaluronsäure. Was ist das eigentlich?
Hyaluronsäure klingt nach Labor und Chemie – ist aber in Wahrheit ein körpereigener Stoff (ein langkettiges Zuckermolekül), den wir schon seit unserer Geburt in uns tragen. In Gelenken, Augen, Knorpeln und vor allem: in der Haut.…

