Ein Notfall kommt selten angekündigt.
Er reißt Menschen aus dem Alltag – plötzlich, unerwartet und oft beängstigend. Für Betroffene und Angehörige ist er meist verbunden mit Unsicherheit, Angst und vielen offenen Fragen: Was passiert jetzt? Habe ich richtig gehandelt? Kommt Hilfe rechtzeitig?
In solchen Momenten ist der Rettungsdienst die erste professionelle Hilfe vor Ort. Er bringt nicht nur medizinisches Wissen mit, sondern auch Struktur in eine Situation, die sich oft chaotisch anfühlt.
Unser Redakteur Peter Hummel ist ausgebildeter Rettungssanitäter und fährt regelmäßig im Rettungsdienst des Deutsches Rotes Kreuz in Augsburg. Aus dieser Erfahrung heraus beantwortet er diese 112 Fragen, die sich rund um einen Rettungsdiensteinsatz stellen – vor dem Notruf, währenddessen und danach.
Die Antworten sind verständlich formuliert, fachlich korrekt und nah an der Realität des Rettungsdienstes in Deutschland. Sie richten sich an Patientinnen und Patienten ebenso wie an Angehörige.
Ziel ist es, Orientierung zu geben, Unsicherheiten abzubauen und im Ernstfall dabei zu helfen, ruhig und richtig zu handeln.
Bevor Hilfe kommt

1. Wann rufe ich den Notarzt und wann einen Hausarzt bzw. den hausärztlichen Dienst?
Grundsätzlich gilt: Der Hausarzt ist für Erkrankungen zuständig, die nicht unmittelbar lebensbedrohlich sind und bei denen eine Versorgung innerhalb der nächsten Stunden oder Tage ausreichend ist. Dazu gehören zum Beispiel leichte Infekte, bekannte Rückenschmerzen, kleinere Beschwerden oder Fragen zu Dauermedikamenten.
Der Rettungsdienst ist dagegen für akute Notfälle da. Also für Situationen, in denen sich der Zustand plötzlich verschlechtert, starke Schmerzen auftreten, jemand nicht mehr richtig ansprechbar ist, Atemnot hat, gestürzt ist, starke Blutungen hat oder der Verdacht auf Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere ernste Erkrankung besteht.
Viele Menschen haben Hemmungen, die 112 zu wählen. Sie denken: „Vielleicht ist es gar nicht so schlimm.“ Diese Sorge ist verständlich. Aber niemand erwartet von einem Laien, dass er eine sichere medizinische Diagnose stellt. Genau dafür gibt es die Leitstelle und den Rettungsdienst.
Tipp für Patienten:
Wenn Sie das Gefühl haben, dass „etwas nicht stimmt“ und Sie Angst haben, warten Sie nicht zu lange. Besonders bei Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinsveränderungen zählt Zeit.
Tipp für Angehörige:
Diskutieren Sie im Ernstfall nicht minutenlang, ob man „wirklich“ anrufen soll. Wenn jemand deutlich krank wirkt, plötzlich anders ist als sonst oder selbst nicht mehr gut entscheiden kann: 112 wählen.
2. Wann ist es wirklich ein Notfall?
Ein Notfall ist nicht nur dann ein Notfall, wenn jemand bewusstlos am Boden liegt. Auch starke Brustschmerzen, plötzlich auftretende Luftnot, ein Sturz mit starken Schmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle, starke allergische Reaktionen oder der Verdacht auf einen Schlaganfall sind Notfälle.
Im Rettungsdienst schaut man vor allem auf zwei Dinge: Ist der Patient akut gefährdet? Und kann sich die Situation schnell verschlechtern? Wenn eine dieser Fragen mit Ja beantwortet werden könnte, ist der Rettungsdienst richtig.
Manchmal stellt sich später heraus, dass es weniger schlimm war als befürchtet. Das ist kein Versagen des Patienten. Im Gegenteil: Es ist besser, ein Notfallteam stellt Entwarnung fest, als dass ein echter Notfall zu spät erkannt wird.
Tipp für Patienten:
Nehmen Sie neue, ungewohnte und starke Symptome ernst. Besonders dann, wenn sie plötzlich auftreten.
Tipp für Angehörige:
Achten Sie nicht nur auf das, was jemand sagt, sondern auch auf das Verhalten: Ist die Person blass, kaltschweißig, verwirrt, ungewöhnlich ruhig, sehr unruhig oder kaum ansprechbar? Das sind wichtige Warnzeichen.
3. Darf ich „zu früh“ den Notruf wählen?
Ja. Ein ernst gemeinter Notruf ist kein Fehlverhalten. Natürlich soll die 112 nicht wegen Bagatellen blockiert werden. Aber viele Menschen rufen eher zu spät als zu früh an.
Gerade bei Herzinfarkt und Schlaganfall kann frühes Handeln entscheidend sein. Je schneller professionelle Hilfe kommt, desto besser sind oft die Behandlungsmöglichkeiten. Rettungsdienst und Leitstelle sind darauf eingestellt, Situationen einzuschätzen. Sie müssen also nicht vorher beweisen, dass es „schlimm genug“ ist.
Was im Rettungsdienst niemandem hilft, ist falsche Zurückhaltung aus Scham. Sätze wie „Ich wollte keine Umstände machen“ hören Einsatzkräfte sehr häufig – manchmal leider zu spät.
Tipp für Patienten:
Wenn Sie unsicher sind, schildern Sie der Leitstelle genau, was los ist. Die Entscheidung, welche Hilfe kommt, trifft dann nicht Ihr Bauchgefühl allein, sondern geschultes Personal.
Tipp für Angehörige:
Lieber einmal einen Notruf absetzen und später erleichtert sein, als nachts neben jemandem zu sitzen, dessen Zustand sich unbemerkt verschlechtert.
4. Was passiert, wenn ich mir unsicher bin?
Dann ist die Leitstelle genau der richtige Ansprechpartner. Dort sitzen speziell geschulte Disponentinnen und Disponenten. Sie stellen gezielte Fragen: Was ist passiert? Seit wann bestehen die Beschwerden? Ist die Person ansprechbar? Atmet sie normal? Gibt es Schmerzen, Lähmungen, Blutungen oder andere Auffälligkeiten?
Aus diesen Informationen wird entschieden, welche Hilfe notwendig ist. Das kann ein Rettungswagen sein, ein Notarzt, manchmal auch der ärztliche Bereitschaftsdienst oder eine andere Versorgungsform.
Wichtig ist: Die Leitstelle möchte Sie nicht „prüfen“. Die Fragen sind kein Verhör. Sie dienen dazu, schnell die richtige Hilfe loszuschicken.
Tipp für Patienten:
Sagen Sie ruhig: „Ich bin mir unsicher.“ Das ist völlig in Ordnung. Beschreiben Sie lieber ehrlich Ihre Unsicherheit, statt Beschwerden herunterzuspielen.
Tipp für Angehörige:
Bleiben Sie möglichst sachlich. Die Leitstelle braucht klare Informationen. Aufregung ist normal, aber kurze Antworten helfen am meisten.
5. Kann ich auch für jemand anderen den Notruf wählen?
Ja, und das ist sogar sehr häufig. Viele Notrufe kommen von Angehörigen, Nachbarn, Passanten, Kolleginnen oder Pflegekräften. Gerade Menschen in Not sind oft nicht mehr in der Lage, selbst anzurufen. Sie sind zu schwach, zu verwirrt, bewusstlos oder haben Schmerzen.
Wenn Sie für jemand anderen anrufen, bleiben Sie möglichst bei der betroffenen Person. Die Leitstelle wird Ihnen Fragen stellen und eventuell Erste-Hilfe-Maßnahmen erklären. Besonders wichtig ist die Information, ob die Person wach ist und normal atmet.
Sie müssen nicht medizinisch geschult sein, um zu helfen. Der wichtigste Schritt ist, Hilfe zu holen.
Tipp für Angehörige:
Wenn mehrere Personen anwesend sind: Eine Person ruft an, eine bleibt beim Patienten, eine öffnet die Tür oder weist den Rettungsdienst ein. Aufgaben verteilen hilft gegen Chaos.
Tipp für Passanten:
Gehen Sie nicht davon aus, dass „bestimmt schon jemand angerufen hat“. Fragen Sie laut nach oder wählen Sie selbst die 112.
6. Was mache ich, wenn ich allein bin?
Wenn Sie allein sind und merken, dass es Ihnen ernsthaft schlecht geht, rufen Sie sofort die 112. Versuchen Sie nicht erst, mehrere Angehörige zu erreichen oder abzuwarten, ob es besser wird.
Falls möglich, öffnen Sie die Wohnungstür oder legen Sie einen Schlüssel bereit. Setzen oder legen Sie sich sicher hin, damit Sie nicht stürzen. Bleiben Sie am Telefon, solange die Leitstelle das möchte. Wenn Sie Medikamente, einen Medikamentenplan oder wichtige Unterlagen griffbereit haben, können Sie diese bereitlegen – aber nur, wenn Sie sich dadurch nicht zusätzlich gefährden.
Wenn Ihnen schwindlig ist, Sie Atemnot haben oder starke Schmerzen: nicht mehr unnötig herumlaufen. Der Rettungsdienst findet lieber eine unaufgeräumte Wohnung vor als einen Patienten, der auf dem Weg zur Handtasche gestürzt ist.
Tipp für Patienten:
Speichern Sie wichtige Nummern und medizinische Informationen gut auffindbar im Handy oder auf einem Zettel in der Nähe der Wohnungstür.
Tipp für alleinlebende Menschen:
Eine Notfallmappe oder ein gut sichtbarer Hinweis auf Medikamente, Allergien und Kontaktpersonen kann im Ernstfall sehr helfen.
7. Was ziehe ich an?
Im Notfall ist Kleidung zweitrangig. Niemand im Rettungsdienst erwartet, dass Sie sich erst ordentlich anziehen. Entscheidend ist, dass Sie schnell untersucht und versorgt werden können.
Bequeme Kleidung ist hilfreich, wenn noch Zeit dafür ist. Enge Kleidung, komplizierte Knöpfe oder mehrere Lagen können Untersuchungen erschweren. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder schweren Verletzungen muss Kleidung manchmal geöffnet oder entfernt werden. Das geschieht nicht aus Neugier, sondern weil der Körper untersucht, ein EKG geschrieben oder eine Verletzung beurteilt werden muss.
Scham ist verständlich. Einsatzkräfte versuchen, so respektvoll wie möglich vorzugehen. Gleichzeitig hat medizinische Sicherheit Vorrang.
Tipp für Patienten:
Ziehen Sie sich nur um, wenn es Ihnen wirklich gut genug dafür geht. Bei Schwindel, Luftnot oder Brustschmerzen bleiben Sie lieber sitzen oder liegen.
Tipp für Angehörige:
Bringen Sie bei Bedarf eine Jacke, Schuhe, Brille, Hörgerät oder Gehhilfe mit. Das ist oft wichtiger als die perfekte Kleidung.
8. Was packe ich ein?
Wenn ein Transport ins Krankenhaus wahrscheinlich ist, sind einige Dinge hilfreich: Versichertenkarte, Ausweis, Medikamentenplan, wichtige Arztbriefe, Allergiepass, Patientenverfügung, Handy, Ladegerät, Brille, Hörgerät, Gehhilfe und eventuell etwas Kleidung.
Aber: Packen darf niemals wichtiger werden als die medizinische Versorgung. Der Rettungsdienst wartet nicht minutenlang, bis noch Kulturbeutel, Schlafanzug und Lieblingsbuch zusammengesucht sind, wenn der Zustand kritisch ist.
Viele Dinge können Angehörige später nachbringen. Für den Anfang zählen vor allem Informationen, Identität und medizinisch relevante Unterlagen.
Tipp für Patienten:
Eine kleine Notfallmappe an einem festen Ort ist Gold wert. Sie sollte Medikamentenplan, Diagnosen, Allergien, wichtige Telefonnummern und vorhandene Verfügungen enthalten.
Tipp für Angehörige:
Fragen Sie das Rettungsdienstteam kurz: „Was sollen wir mitgeben?“ Meist reichen wenige Dinge. Hektisches Packen macht die Situation oft nur unübersichtlicher.
9. Wo ist meine Patientenverfügung?
Eine Patientenverfügung hilft nur, wenn sie im Notfall gefunden wird und eindeutig ist. Im Rettungsdienst bleibt oft wenig Zeit, lange nach Unterlagen zu suchen oder juristische Formulierungen zu interpretieren.
Wichtig ist: Der Rettungsdienst muss zunächst helfen, wenn eine akute lebensbedrohliche Situation besteht und keine klare, sofort verfügbare Information dagegen spricht. Liegt eine Patientenverfügung vor, wird sie ernst genommen. Trotzdem kann es Situationen geben, in denen zunächst stabilisiert wird, bis die genaue Lage geklärt ist.
Noch hilfreicher ist es, wenn Angehörige wissen, wo die Verfügung liegt, und erklären können, was der Patient gewollt hätte. Auch Vorsorgevollmachten und Kontaktdaten der bevollmächtigten Person sind wichtig.
Tipp für Patienten:
Bewahren Sie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht nicht irgendwo in einem Ordner auf, den niemand findet. Sagen Sie Angehörigen, wo die Dokumente liegen.
Tipp für Angehörige:
Halten Sie die Unterlagen bereit, aber diskutieren Sie nicht im Türrahmen mit dem Rettungsdienst über Grundsatzfragen. Zeigen Sie die Dokumente und benennen Sie klar, wer bevollmächtigt ist.
10. Was ist das Besondere beim Medikamentenplan?
Der Medikamentenplan ist für den Rettungsdienst eine der wichtigsten Informationsquellen. Er zeigt nicht nur, welche Medikamente jemand einnimmt, sondern gibt oft auch Hinweise auf Vorerkrankungen: Blutverdünner, Herzmedikamente, Insulin, Schmerzmittel, Psychopharmaka oder Medikamente gegen Epilepsie sind für die Einschätzung sehr relevant.
Besonders wichtig sind Blutverdünner. Nach einem Sturz oder bei Blutungen kann diese Information entscheidend sein. Auch Dosierungen sind wichtig. „Ich nehme eine kleine weiße Tablette“ hilft leider nur begrenzt – davon gibt es im deutschen Gesundheitswesen ungefähr so viele wie Warnwesten im Rettungswagen.
Ein aktueller Plan verhindert Fehler, spart Zeit und hilft auch später im Krankenhaus.
Tipp für Patienten:
Halten Sie den Medikamentenplan aktuell. Streichen Sie alte Medikamente nicht nur gedanklich, sondern lassen Sie den Plan regelmäßig anpassen.
Tipp für Angehörige:
Wenn kein Plan vorhanden ist, sammeln Sie die Medikamentenpackungen ein. Das ist besser als eine unvollständige Erinnerung.
11. Was ist zu beachten, wenn ich Allergien habe?
Allergien müssen unbedingt genannt werden, besonders gegen Medikamente, Kontrastmittel, Latex oder bestimmte Lebensmittel, wenn sie schwere Reaktionen auslösen. Für den Rettungsdienst ist wichtig, was genau passiert: Hautausschlag, Atemnot, Kreislaufprobleme, Schwellungen oder ein allergischer Schock.
Nicht jede Unverträglichkeit ist eine echte Allergie, aber im Zweifel sollte die Information genannt werden. Das Team kann dann einordnen, wie relevant sie für die aktuelle Behandlung ist.
Bei bekannten schweren Allergien ist ein Notfallset oft entscheidend. Dazu können ein Adrenalin-Autoinjektor, Antihistaminika oder Kortison gehören. Wenn so ein Set vorhanden ist, sollte es sofort gezeigt werden.
Tipp für Patienten:
Tragen Sie bei schweren Allergien einen Allergiepass oder Notfallausweis bei sich.
Tipp für Angehörige:
Sagen Sie nicht nur „Er verträgt vieles nicht“, sondern möglichst konkret: Welcher Stoff? Welche Reaktion? Wann war das?
12. Soll ich verschweigen, dass ich Alkohol getrunken habe?
Nein. Bitte nicht. Alkohol ist für die medizinische Einschätzung wichtig. Er kann Symptome erklären, überdecken oder verschlimmern. Er beeinflusst Bewusstsein, Kreislauf, Atmung und die Wirkung von Medikamenten.
Im Rettungsdienst geht es nicht darum, jemanden moralisch zu beurteilen. Einsatzkräfte haben schon sehr viel gesehen. Entscheidend ist, dass die Behandlung sicher bleibt. Wer Alkohol, Drogen oder Medikamente verschweigt, macht es dem Team schwerer und sich selbst riskanter.
Das gilt auch für vermeintlich peinliche Informationen. Im Rettungsdienst ist Ehrlichkeit fast immer hilfreicher als ein schöner Lebenslauf.
Tipp für Patienten:
Sagen Sie möglichst genau, was und wie viel Sie getrunken oder genommen haben. Auch der Zeitpunkt ist wichtig.
Tipp für Angehörige:
Beschönigen Sie nichts aus Scham. Wenn Sie wissen, dass Alkohol, Drogen oder Medikamente im Spiel sind, sagen Sie es offen und sachlich.
Der Notruf

13. Welche Angaben muss ich bei der Leitstelle machen?
Beim Notruf geht es nicht darum, eine perfekte medizinische Diagnose zu liefern. Die Leitstelle braucht vor allem klare Informationen, um schnell die richtige Hilfe zu schicken. Am wichtigsten ist immer der Ort: Wo genau ist der Notfall? Danach folgen Informationen dazu, was passiert ist, wie viele Menschen betroffen sind und welche Beschwerden oder Verletzungen vorliegen.
Die bekannten „W-Fragen“ helfen dabei: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Betroffene gibt es? Welche Symptome oder Verletzungen sind erkennbar? Und ganz wichtig: Warten auf Rückfragen. Gerade dieses letzte W wird oft vergessen. Bitte legen Sie nicht einfach auf, wenn Sie das Wichtigste gesagt haben. Die Leitstelle kann noch entscheidende Fragen stellen.
Wenn Sie aufgeregt sind, ist das völlig normal. Die Mitarbeitenden in der Leitstelle sind darauf geschult. Sie führen Sie durch das Gespräch.
Tipp für Patienten:
Wenn Sie selbst anrufen, beginnen Sie mit dem Ort. Auch wenn Sie kaum Luft bekommen oder starke Schmerzen haben: Die Adresse ist die wichtigste Information.
Tipp für Angehörige:
Wenn mehrere Personen vor Ort sind, sollte eine Person telefonieren und eine andere beim Patienten bleiben. So entsteht weniger Durcheinander.
14. Wie lange dauert es, bis ein Rettungswagen kommt?
Das hängt von vielen Faktoren ab: Wohnort, Verkehr, Wetter, Tageszeit, Einsatzaufkommen und Entfernung zum nächsten freien Rettungswagen. In Städten ist ein Rettungswagen oft schneller da als in ländlichen Regionen. Aber auch in einer Stadt kann es länger dauern, wenn gerade sehr viele Einsätze gleichzeitig laufen.
Viele Bundesländer arbeiten mit sogenannten Hilfsfristen. Das sind Zielwerte, innerhalb derer der Rettungsdienst möglichst eintreffen soll. Diese Zeiten sind aber keine persönliche Garantie für jeden einzelnen Einsatz.
Für Betroffene fühlen sich wenige Minuten oft sehr lang an. Das ist verständlich. Während Sie warten, ist es wichtig, nicht in Panik zu geraten, sondern die Zeit sinnvoll zu nutzen: Tür öffnen, Haustiere sichern, wichtige Unterlagen bereitlegen, Anweisungen der Leitstelle befolgen.
Tipp für Patienten:
Bleiben Sie möglichst dort, wo Sie sicher sind. Laufen Sie nicht noch durchs Haus, wenn Ihnen schwindlig ist oder Sie Brustschmerzen haben.
Tipp für Angehörige:
Schalten Sie Licht ein, öffnen Sie die Haustür oder schicken Sie jemanden an die Straße. Gerade in Mehrfamilienhäusern spart Einweisen wertvolle Zeit.
15. Was passiert, wenn ich auflege?
Wenn Sie versehentlich auflegen oder die Verbindung abbricht, bedeutet das nicht automatisch, dass keine Hilfe kommt. Die Leitstelle hat den Anruf in der Regel registriert und wird je nach Lage versuchen, zurückzurufen oder trotzdem Hilfe zu schicken.
Trotzdem ist es besser, nicht aufzulegen, solange die Leitstelle das Gespräch nicht beendet. Während des Gesprächs können sich wichtige Dinge ändern: Der Patient wird bewusstlos, die Atmung verschlechtert sich, Schmerzen nehmen zu oder es kommen neue Informationen hinzu. All das kann beeinflussen, welche Hilfe geschickt wird.
Außerdem kann die Leitstelle Sie anleiten, Erste Hilfe zu leisten. Bei einem Kreislaufstillstand kann eine telefonische Anleitung zur Herzdruckmassage entscheidend sein.
Tipp für Patienten:
Legen Sie das Telefon nicht weg. Stellen Sie es auf Lautsprecher, wenn Sie beide Hände brauchen.
Tipp für Angehörige:
Wenn das Gespräch abbricht, bleiben Sie erreichbar. Rufen Sie zurück, falls die Leitstelle Sie nicht sofort erreicht.
16. Darf ich auflegen, wenn ich nervös bin?
Nervosität ist kein Grund aufzulegen. Im Gegenteil: Gerade wenn Sie nervös sind, hilft das Gespräch mit der Leitstelle. Die Mitarbeitenden sind darauf vorbereitet, mit aufgeregten Menschen zu sprechen. Sie stellen kurze Fragen und geben klare Anweisungen.
Viele Anrufer haben Angst, etwas falsch zu machen. Diese Angst ist verständlich, aber unnötig. Niemand erwartet perfekte Formulierungen. Wichtig ist, dass Sie erreichbar bleiben und so gut wie möglich antworten.
Wenn Sie nicht mehr weiterwissen, sagen Sie genau das: „Ich bin sehr aufgeregt.“ Dann kann die Leitstelle das Gespräch entsprechend führen.
Tipp für Patienten:
Wenn Sie allein sind, bleiben Sie am Telefon. Die Stimme der Leitstelle kann helfen, Ruhe zu behalten.
Tipp für Angehörige:
Atmen Sie einmal bewusst aus, bevor Sie antworten. Kurze, klare Antworten sind besser als hektische Erklärungen.
17. Warum stellt die Leitstelle so viele Fragen?
Die Fragen der Leitstelle sind kein Misstrauen und kein bürokratischer Umweg. Sie dienen dazu, die Dringlichkeit einzuschätzen und die richtige Hilfe zu schicken. Es macht einen großen Unterschied, ob jemand Bauchschmerzen hat, bei Bewusstsein ist und normal atmet – oder ob jemand nicht ansprechbar ist, kaum Luft bekommt oder starke Brustschmerzen hat.
Manche Fragen wirken für Laien seltsam. Zum Beispiel fragt die Leitstelle nach Atmung, Bewusstsein, Alter, Symptombeginn oder Begleiterkrankungen. Diese Informationen können darüber entscheiden, ob ein Rettungswagen reicht, ob ein Notarzt dazukommt oder ob besondere Einsatzmittel benötigt werden.
Die Hilfe wird häufig bereits losgeschickt, während am Telefon weiter gefragt wird. Es ist also nicht so, dass durch jede Frage der Rettungswagen später startet.
Tipp für Patienten:
Antworten Sie ehrlich und knapp. Wenn Sie etwas nicht wissen, sagen Sie einfach: „Das weiß ich nicht.“
Tipp für Angehörige:
Nicht ärgern über viele Fragen. Die Leitstelle sammelt Informationen, während die Rettung bereits unterwegs ist. Jede Antwort hilft dabei, die Lage besser einzuschätzen und die Versorgung vorzubereiten.
18. Was bedeutet es, wenn ich in der Leitung bleiben soll?
Wenn die Leitstelle Sie bittet, in der Leitung zu bleiben, bedeutet das: Ihre Mithilfe ist wichtig. Vielleicht muss der Zustand weiter beobachtet werden. Vielleicht sollen Sie Erste Hilfe leisten. Vielleicht besteht die Gefahr, dass sich die Lage verschlechtert.
Bei bewusstlosen Patienten, Atemproblemen oder Wiederbelebungssituationen bleibt die Leitstelle häufig am Telefon und führt Schritt für Schritt durch die notwendigen Maßnahmen. Für viele Angehörige ist das eine enorme Belastung, aber auch eine große Hilfe: Man ist nicht allein.
In der Leitung zu bleiben bedeutet nicht, dass der Rettungswagen noch nicht unterwegs ist. Beides läuft oft parallel.
Tipp für Patienten:
Wenn Sie selbst betroffen sind, legen Sie das Handy möglichst so hin, dass Sie sprechen können, ohne es festhalten zu müssen.
Tipp für Angehörige:
Nutzen Sie die Lautsprecherfunktion. So haben Sie die Hände frei und können trotzdem Anweisungen hören.
19. Bekomme ich von der Leitstelle Anweisungen zur Ersten Hilfe?
Ja. Die Leitstelle kann sehr konkrete Erste-Hilfe-Anweisungen geben. Dazu gehören stabile Seitenlage, Kontrolle der Atmung, Blutstillung oder Herzdruckmassage. Gerade bei einem Kreislaufstillstand ist diese telefonische Anleitung extrem wichtig.
Viele Menschen haben Angst, bei Erster Hilfe etwas falsch zu machen. Diese Angst ist verständlich. Aber bei lebensbedrohlichen Situationen ist Nichtstun oft das größte Risiko. Eine nicht perfekte Herzdruckmassage ist besser als gar keine.
Die Leitstelle wird die Maßnahmen so erklären, dass auch Laien sie durchführen können. Sie müssen kein Rettungsdienstprofi sein. Sie müssen nur anfangen.
Tipp für Patienten:
Wenn Sie selbst noch sprechen können, sagen Sie, was sich verändert: mehr Luftnot, stärkerer Schmerz, Schwindel, Benommenheit.
Tipp für Angehörige:
Trauen Sie sich. Die Leitstelle bleibt bei Ihnen und sagt Ihnen, was zu tun ist. Sie müssen es nicht allein können.
20. Was passiert, wenn ich die Adresse nicht genau kenne?
Wenn Sie die genaue Adresse nicht kennen, helfen alle Orientierungspunkte: Straßenschilder, Hausnummern, Geschäfte, Bushaltestellen, markante Gebäude, Parkplätze, Kilometerangaben, Wanderwege oder GPS-Daten vom Smartphone. Auch Beschreibungen wie „gegenüber der Tankstelle“ oder „am Eingang vom Sportplatz“ können hilfreich sein.
Bei Anrufen vom Handy kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Standortübermittlung helfen. Trotzdem sollte man sich nicht ausschließlich darauf verlassen. Technik kann ungenau sein, besonders in Gebäuden, abgelegenen Gebieten oder bei schlechter Verbindung.
Je genauer Sie den Ort beschreiben, desto schneller kann Hilfe ankommen.
Tipp für Patienten:
Wenn Sie unterwegs sind, öffnen Sie eine Karten-App und lesen Sie den Standort ab, soweit möglich.
Tipp für Angehörige oder Passanten:
Schicken Sie eine Person an einen gut sichtbaren Punkt, um den Rettungsdienst einzuweisen.
21. Kann die Leitstelle mich orten?
In vielen Fällen ist eine Ortung technisch möglich oder zumindest eine ungefähre Standortbestimmung. Moderne Smartphones können bei Notrufen Standortdaten übermitteln. Das kann sehr hilfreich sein, vor allem wenn jemand nicht genau weiß, wo er ist.
Aber: Ortung ist nicht immer exakt. In großen Gebäuden, auf Firmengeländen, in Parks, auf Landstraßen oder in Mehrfamilienhäusern kann der Standort zwar grob stimmen, aber der genaue Zugang fehlt. Die Leitstelle weiß vielleicht, in welchem Bereich Sie sind, aber nicht automatisch, in welcher Etage, welchem Hinterhaus oder welchem Eingang.
Deshalb bleibt Ihre eigene Ortsangabe wichtig.
Tipp für Patienten:
Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Technik alles regelt. Sagen Sie aktiv, wo Sie sind.
Tipp für Angehörige:
Achten Sie auf Zugänge: Vorderhaus, Hinterhof, Stockwerk, Klingelschild, Türcode. Diese Informationen sind oft entscheidender als die Straße allein.
Ankunft des Rettungsdienstes


