Nächtliches Schnarchen ist weit verbreitet und oft vor allem lästig. Manchmal kann es aber auch ein Hinweis auf eine Schlafapnoe sein – mit Folgen für Gesundheit und Lebensqualität.
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Warum Menschen schnarchen
So dröhnend wie der Presslufthammer auf einer Baustelle: 93 Dezibel. Mit diesem beeindruckenden Lärmpegel schaffte es der lauteste Schnarcher der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde. Auch wenn die meisten Menschen nachts „nur“ halb so laut sägen, kann Schnarchen zur echten Belastungsprobe werden. „Ich muss wirklich mächtig geschnarcht haben, ohne selbst etwas davon zu bemerken. Aber mein Mann hat sich beschwert“, sagt Ilse Ziegler aus Ingersheim in Baden-Württemberg. Und damit gehört die 76-Jährige zu der etwas lauteren Hälfte der Bevölkerung, denn jeder zweite Deutsche schnarcht.
„Der Weichgaumen flattert beim Einatmen wie eine Fahne im Wind. Die Vibrationen produzieren Geräusche“
Prof. Clemens Heiser
HNO-Arzt, Allergologe und Schlafmediziner, Leiter des Schlaflabors am Klinikum Rechts der Isar in München
Meist entsteht der Ton, wenn die Muskulatur im Rachenraum erschlafft und sich der Atemweg verengt. „Die häufigste Ursache ist der Weichgaumen mit dem Zäpfchen. Er flattert beim Einatmen wie eine Fahne im Wind und durch die Vibrationen entstehen die typischen Geräusche“, erklärt HNO-Arzt und Schlafmediziner Prof. Clemens Heiser aus München. Seltener sind große Mandeln oder ein schwingender Kehldeckel die Ursache.
Welche Ursachen und Risikofaktoren Schnarchen begünstigen
Generell nimmt das Schnarchen im Alter zu, da das Bindegewebe im ganzen Körper an Spannkraft verliert. Bei Frauen kann die Veränderung des Hormonspiegels in den Wechseljahren eine Rolle spielen. Auch eine durch Allergien oder eine Erkältung verstopfte Nase lässt Menschen oft schnarchen. Nicht zuletzt hängt die Lärmproduktion vom Lebensstil ab.
Übergewicht, Rauchen und Alkohol spielen eine Rolle
„Bei übergewichtigen Menschen lagert sich Fettgewebe im Rachenraum an und verengt die Atemwege“, sagt Zahnärztin und Schlafexpertin Dr. Sarah Breu. Außerdem reizt das Rauchen die Rachen-Schleimhäute, sodass sie anschwellen. Alkohol sowie Schlaf- und starke Beruhigungsmittel wirken zusätzlich entspannend und lassen die Zunge sowie Gaumen- und Rachenmuskeln erschlaffen.
Warum die Schlafposition entscheidend sein kann
Darüber hinaus ist die Schlafposition entscheidend: Bei Rückenschläfern fällt oft die Zunge nach hinten und behindert den Luftweg. „Wenn man nur in Rückenlage schnarcht, kann die Seitenlage Abhilfe schaffen. Hierfür gibt es spezielle Kissen oder Lagepositionstrainer“, so Prof. Heiser. So lästig die nächtliche Ruhestörung auch ist – Schnarchen ist nicht immer ein gesundheitliches Problem. Wer sich ruhigere Nächte wünscht und seinen Partner nicht mehr wachhalten möchte, kann mit einem veränderten Lebensstil leiser werden.
Schlafapnoe: Wenn Atemaussetzer gefährlich werden
Anders ist es, wenn man regelmäßig schnarcht oder Atem-Aussetzer hinzukommen. „Diese Schlafapnoe sollten Sie unbedingt beim Arzt abklären lassen“, rät der Experte. Durch wiederholte Atempausen wird der Körper dabei mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Er reagiert mit kurzen Weckreaktionen, die man meist nicht bewusst wahrnimmt. Betroffene fühlen sich tagsüber oft müde, haben Kopfschmerzen oder können sich nicht konzentrieren. Langfristig erhöht Schlafapnoe wegen des ständigen Sauerstoffmangels das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall und Typ-2-Diabetes.
„Ich muss wirklich mächtig geschnarcht haben, ohne selbst etwas davon zu bemerken. Aber mein Mann hat sich beschwert“
Ilse Ziegler
Bei Ilse Ziegler war es ihr mittlerweile verstorbener Mann, der sie 2005 zum Arzt geschickt hat. „Als Medizintechniker kannte er sich ein bisschen aus. Er meinte, dass ich manchmal eine halbe Minute lang nicht atme.“ Im Schlaflabor wurde dann eine Schlafapnoe festgestellt. Ilse Ziegler schläft seitdem mit einer CPAP-Atemmaske (siehe S. 67). „Ich konnte gar nicht glauben, wie erholt ich nach der ersten Nacht war!“ Manchmal, wenn sie frühmorgens wach wird, nimmt sie die Maske ab und schläft noch mal ein. „Dann wache ich von meinem eigenen Schnarchen auf.“
Zusammenfassung
Jeder zweite Deutsche schnarcht. Meist steckt ein erschlaffter Rachenraum dahinter, begünstigt etwa durch Alter, Übergewicht, Alkohol oder die Rückenlage. Problematisch wird es, wenn Atemaussetzer hinzukommen: Dann sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Schlafapnoe vorliegt.
Schnarchen: Ursachen, Warnzeichen, Schlafapnoe | frau.plus | Frau im Leben+plus