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Illustration über eine glückliche Frau im Blumenfeld
Unser Leben

Frühlingsgefühle: Mythos oder Wahrheit?

3/16/2026
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Andrea Ganter
3 minutes

Mehr Licht, mehr Energie, mehr Lust auf Begegnungen: Ein Experte erklärt, warum der Frühling unsere Stimmung hebt – und was gegen Frühjahrsmüdigkeit hilft.

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Foto: KI/Agentur2

Haben wir im Frühling tatsächlich bessere Laune?

Lahmann: Frühlingsgefühle gibt es, auch wenn sie medizinisch nicht klar definiert sind. Viele Menschen erleben im Frühjahr ganz ähnliche Veränderungen: Sie haben mehr Energie, mehr Lust auf Kontakte und fühlen sich offener. Das ist keine Einbildung, sondern etwas, das man auch bei sich selbst gut beobachten kann.

Wie lässt sich dieser Auftrieb erklären?

Der wichtigste Faktor ist das Licht. Wenn die Tage länger werden, stellt sich unsere innere Uhr um. Das Schlafhormon Melatonin wird kürzer ausgeschüttet, wir kommen morgens leichter in die Gänge. Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung bestimmter Botenstoffe im Gehirn – etwa Serotonin und Dopamin –, die unsere Stimmung, Motivation und Lust auf Neues beeinflussen. Dazu kommt der Alltag: Es ist wärmer, wir sind länger draußen, bewegen uns mehr und treffen häufiger andere Menschen. All das verstärkt die positiven Effekte.

Ist das Hochgefühl bei Frauen und Männern gleich?

Grundsätzlich ja. Die biologischen Prozesse wirken bei allen Menschen ähnlich. Unterschiede entstehen eher durch Lebensumstände: Schlaf, Stress, Belastung im Alltag oder hormonelle Phasen. Entscheidend ist, wie sensibel jemand auf Licht, Rhythmus und Veränderungen reagiert.

Wie können wir Frühlingsgefühle für unsere Partnerschaft nutzen?

Der Frühling ist eine gute Einladung, eingefahrene Routinen zu verlassen. Gemeinsame Zeit draußen, kleine Unternehmungen, Bewegung – all das bringt Paare wieder näher zusammen. Frühlingsgefühle lösen keine Beziehungsprobleme, aber sie schaffen günstige Bedingungen für Nähe, Leichtigkeit und gemeinsame Erlebnisse. Und genau das belebt oft auch das Liebesleben.

Haben Sie Tipps für Menschen auf Partnersuche?

Der Frühling erhöht die Chancen auf neue Kontakte. Wer sich mehr draußen aufhält, ist sichtbarer, kommt leichter ins Gespräch und wirkt offener. Wichtig ist, nicht zu viel zu erwarten. Frühlingsgefühle sind kein Liebesversprechen, aber sie können helfen, den ersten Schritt zu machen und sich überhaupt wieder auf Begegnungen einzulassen.

Vögel zwitschern, Blumen blühen – welchen Einfluss hat die Natur auf unsere Psyche?

Einen erstaunlich großen. Wir wissen heute sehr gut, dass die Natur Stress reduziert und die Stimmung hebt. Grün wirkt beruhigend, Wasser ebenfalls. Draußen zu sein, entlastet das Nervensystem. Man atmet tiefer, kommt mental zur Ruhe. Und genau das tut der Psyche gut.

Wie kann ich die gute Laune verstärken?

Man sollte nicht abwarten, dass sich die Frühlingsgefühle melden, sondern ihr Entstehen aktiv unterstützen. Rausgehen, Tageslicht tanken, sich bewegen, Wege durch Parks oder ins Grüne wählen. Wichtig ist nicht, alles auf einmal zu verändern, sondern regelmäßig kleine Frühlingsgefühls-Booster einzubauen. Man muss der Natur schließlich auch eine Chance geben...

Manche Menschen fühlen sich aber auch erschöpft und antriebslos. Was hat es mit der Frühjahrsmüdigkeit auf sich?

Auch das ist ein bekanntes Phänomen. Der Körper muss sich an die neuen Licht- und Temperaturverhältnisse anpassen. Schlafrhythmus, Kreislauf und Aktivität verändern sich gleichzeitig – das kann auch müde machen. Viele starten nach dem Winter sehr aktiv, während der Körper noch hinterherhinkt. Diese Phase ist meist harmlos und vorübergehend.

Welche Tipps haben Sie für Betroffene?

Vor allem: ruhig bleiben. Frühjahrsmüdigkeit dauert meist nur ein paar Wochen, oft vier bis sechs. Hilfreich sind regelmäßiger Schlaf, viel Tageslicht am Morgen, Bewegung an der frischen Luft und Geduld mit sich selbst. Wenn die Erschöpfung länger anhält oder sehr stark ist, sollte man ärztlich abklären lassen, ob womöglich andere Ursachen dahinterstecken.

Unser Experte:

Prof. Dr. Claas Lahmann ist ärztlicher Direktor der Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg